Civitas Astra – Unsere Vision für das Leben im All

Von Alex Schiller

Im Schuljahr 2024/25 nahmen meine Kollegen (Irina Avram, Alex Ardeleanu, Matei Gheamalinga, David Magdalena, Alex Balacescu, Daria Ciurea, Maria Gradinaru, Raluca Mastalier, Sara Popescu und Filip Durlicioiu) und ich am Gerard K. O’Neill Space Settlement Contest teil – einem internationalen Wettbewerb, bei dem Schüler Zukunftssiedlungen im Weltraum entwerfen. Unser Projekt trug den Namen „Civitas Astra“, lateinisch für „Stadt der Sterne“. Es steht für eine neue Form menschlicher Gemeinschaft – unabhängig von der Erde, doch gegründet auf denselben Werten von Zusammenarbeit, Fortschritt und Nachhaltigkeit.
 
Insgesamt arbeiteten elf Schüler an dem Konzept: zehn aus der damaligen Klasse 11B sowie Filip Durlicioiu. Über mehrere Monate hinweg entwickelten wir die Idee eines vollständig funktionsfähigen Weltraumhabitats, das alle Aspekte des Lebens berücksichtigt – von Luft- und Wasserkreisläufen über Energieversorgung und Landwirtschaft bis hin zu medizinischer Betreuung, Bildung und Berufsstruktur.
 
Unser Entwurf beruhte auf einer modularen Struktur: Jede Einheit war ein eigenständiges Lebenszentrum, ausgestattet für Forschung, Energieproduktion und Versorgung. Diese Module sollten zunächst im Mondorbit errichtet werden – aufgrund der geringen Schwerkraft, der Nähe zur Erde und der dort verfügbaren Ressourcen. Eines der Module war dafür vorgesehen, dauerhaft im Mondorbit zu bleiben, während die übrigen mithilfe des Hohmann-Transfers in Richtung Marsorbit weiterreisen sollten. Von dort aus sollten sie sich nach und nach im Sonnensystem „verstreuen“ und als Zwischenstationen für Tiefenraum-Missionen dienen – ähnlich wie Haltestellen im All. Ein weiteres Modul sollte den L3-Punkt des Jupiter-Systems erreichen, während das letzte schließlich in den Orbit des Saturnmonds Titan übergeht. Diese „Absetzstrategie“ spart Energie und ermöglicht eine langfristige Expansion.
Die International Space Development Conference (ISDC) fand im Juni 2025 in Orlando statt – ein beeindruckendes Treffen junger Menschen, Forscher und Unternehmen. Besonders auffällig war die starke Präsenz rumänischer Teams, was zeigt, wie groß das Interesse an Raumfahrt in unserem Land geworden ist.

Das Grand-Prize-Team kam sogar aus Bukarest, was die rumänische Präsenz bei der Konferenz noch bedeutungsvoller machte. Die Veranstaltung selbst fand in einem großen Hotel statt und war hervorragend organisiert – mit Vorträgen, Präsentationen und Ausstellungen. Neben Schülerprojekten präsentierten auch Studierende und Forscher, etwa der Technischen Universität München, ihre aktuellen Arbeiten im Bereich Raumfahrttechnik. Mehrere Unternehmen der Raumfahrtindustrie stellten zudem Komponenten und Technologien vor, die bereits in Satelliten oder Weltraummissionen eingesetzt werden.

Ich selbst war während der Konferenz als Freiwilliger tätig und konnte dadurch einen Blick hinter die Kulissen werfen. Es war spannend zu erleben, wie internationale Veranstaltungen dieser Größe organisiert werden und wie die Kommunikation zwischen den Teams abläuft.

Am letzten Tag nahm ich an der Abschlussveranstaltung teil, bei der alle Teilnehmer ihre Urkunden erhielten – ein Moment, der uns alle an die gemeinsame Arbeit und den langen Weg bis hierher erinnerte.

Auch wenn ich als einziger aus unserem Team nach Orlando gereist bin, war die Teilnahme an der Konferenz eine einzigartige Erfahrung. Es war faszinierend zu sehen, wie viele Jugendliche sich mit ähnlichen Themen beschäftigen – und wie unterschiedlich die Perspektiven auf Zukunft und Technologie sein können. Für mich war es nicht nur eine Gelegenheit, unser Projekt Civitas Astra zu vertreten, sondern auch, Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein, die davon überzeugt ist, dass die Zukunft der Menschheit über die Erde hinausgeht.

10.11.25

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