Eine neue Seite der Geschichte: Wer ist Herr Grindel außerhalb des Unterrichts?
Autoren: Ștefan Ionuțiu, Noemi Stoica und Sofia Stoian
Jeder Schüler kennt diese Neugier: Wie ist ein Lehrer eigentlich außerhalb des Unterrichts? Welche Interessen hat er, welche Musik hört er und welche Filme mag er? Wie war er selbst als Schüler und woran glaubt er? Solche persönlichen Details sind es, die am Ende eine Verbindung zwischen Schülern und Lehrern schaffen können. Deshalb möchten wir in diesem Artikel Herrn Grindel vorstellen. Wir trafen ihn in der Schule und gingen mit ihm zum kleinen Pavillon im Schulhof, wo wir ihm einige Fragen über seine Interessen, seine Lieblingsfilme und seine persönlichen Ansichten stellten.
Über Kindheit und Jugend
Herr Grindel ist 33 Jahre alt und kommt aus Bonn, in der Nähe von Köln, im Westen Deutschlands. Seine Jugend beschreibt er als „sehr, sehr glücklich“. Gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder sei er aufgewachsen. Da seine Familie nicht viel umgezogen sei, habe er über viele Jahre einen festen Freundeskreis gehabt. In seiner Jugend habe er außerdem viel Sport getrieben. Besonders Fußball habe es ihm angetan – sein Lieblingsverein ist der Hamburger SV.
Die letzten Monate der Schulzeit
Auf die Frage nach seiner schönsten Erinnerung aus seiner Jugend nennt Herr Grindel vor allem die Zeit nach dem letzten Schultag und die letzten zwei bis drei Monate seiner Schulzeit. Mit 18 oder 19 Jahren habe er damals das Gefühl gehabt, dass seine Jugend langsam zu Ende gehe und ein neues Leben beginne.
Besonders schön sei dabei das Gefühl von Freiheit gewesen. Gleichzeitig habe er viele Freunde gehabt, die er zu dieser Zeit fast zum letzten Mal gesehen habe. Diese besondere Mischung aus Freiheit, Freundschaft und dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben.
Berufsleben
Ursprünglich hatte Herr Grindel einen ganz anderen Berufswunsch: Er wollte zur Polizei. Einige seiner früheren Schülerinnen und Schüler hätten ihm allerdings gesagt, dass er dafür „zu nett“ sei.
In dem Lehrerberuf spielt für ihn vor allem die Möglichkeit eine wichtige Rolle, etwas nachhaltig zu verändern und zu gestalten. Als Lehrer könne er Schülerinnen und Schüler, ihre Gedanken und Ideen prägen und ihnen etwas mitgeben, das möglicherweise noch viele Jahre später weiterbesteht. Genau dieses Gefühl, etwas bewirken zu können, habe ihn davon überzeugt, Lehrer zu werden.
Herr Grindel hat Englisch und Geschichte studiert. In Deutschland habe er allerdings viel Englisch unterrichtet, da es dort weniger Geschichtsunterricht als hier in Rumänien gegeben habe. Trotzdem sei Geschichte weiterhin sein persönliches Lieblingsfach.
Erste Eindrücke von Rumänien und Bukarest
Sein erster Eindruck von Rumänien und insbesondere von Bukarest war vor allem von der Großstadt geprägt: „Sehr busy, sehr viel Verkehr und sehr laut.“ Mit der Zeit habe er sich jedoch an diese Eigenschaften gewöhnt und sogar begonnen, sie zu mögen.
Mittlerweile empfindet er den Lärm der Stadt als angenehm. Wenn er beispielsweise auf seinem Balkon sitzt und bereits der dritte Streifenwagen der Polizei vorbeifährt, gefällt ihm genau dieses typische Großstadtgefühl: „Mir gefällt, dass es busy ist, weil ich glaube, dass man so einen Kosmos von der Großstadt bekommt.” Für ihn gehört zu einer Großstadt auch das Gefühl, dass immer etwas passiert und einem nicht so schnell langweilig wird. Er schätzt besonders die vielen Möglichkeiten, die Bukarest bietet. Man könne Sport treiben, verschiedene Orte besuchen und vieles schnell erreichen. Insgesamt glaubt er, dass Bukarest sehr gut geeignet sei, um ein großes und gleichzeitig diszipliniertes Leben zu führen.
Leben in der Großstadt – ein neues Experiment
Ob er sich schon immer gewünscht habe, in einer Großstadt zu leben, verneint er allerdings. Tatsächlich sei Bukarest die erste Millionenstadt, in der er lebt. Zuvor habe er ausschließlich in kleineren Städten gewohnt. Deshalb betrachtet er sein Leben in Bukarest auch ein wenig als Experiment und als neue Erfahrung. Einen festen Lieblingsort in der Stadt hat er bisher noch nicht gefunden. Er war bereits auf der Calea Victoriei, ist aber weiterhin auf der Suche nach einem Ort, den er besonders gerne mag. Vielleicht könnte sogar die Schule zu einem solchen Lieblingsort werden, das wird sich mit der Zeit noch zeigen.
Seine Ankunft in Rumänien und erste Woche an der DSA
Wir waren neugierig, wie Herr Grindel an unserer Schule willkommen wurde und was sein Eindruck von den Schülern der DSA ist. Er gestand, dass er schon vor dem Schulanfang von seinen neuen Kollegen herzlich empfangen wurde. Besonders in Bezug auf Herrn Wulff gibt er an, dass er eng zusammengearbeitet habe und dass er Hilfe von ihm bekommen habe. “Dass jedem einer helfen möchte und jeder mit dem anderen ins Gespräch kommen will, das ist ein sehr schönes Gefühl”, hob Herr Grindel hervor. Herr Grindel erzählte uns, dass seine neuen Kollegen ihm bei einem Treffen mitgeteilt hatten, dass die Schüler an der deutschen Spezialabteilung wie die Studenten im ersten Uni-Jahr waren. Das Organisieren und die Denkweise der Schüler waren die zwei Aspekte, die ihm auffielen. Beneidenswert findet Herr Grindel, dass wir als Schülerschaft in so vielen Sprachen fließend sind.
Ein Ratschlag:
“You don’t have to have it all figured out” würde er dem jüngeren Herrn Grindel empfehlen, aber auch uns, den Schülern. Er betont, es sei vollkommen in Ordnung, wenn man noch nicht wisse, was man in der Zukunft werden wolle, oder ob unser Plan A scheitere und wir nicht das Beste erreichen.
Zukunftspläne:
Ein großes Ziel von Herrn Grindel ist, Rumänisch zu lernen. Zudem fügte er hinzu, dass er unbedingt nach Constanta am Meer reisen möchte. Viele rieten ihm, dort hinzufahren, da es nur zwei Stunden entfernt ist, aber er hat im Moment viel Arbeit; dennoch wird er sich sicherlich die Zeit nehmen, die Küste zu sehen. Beruflich wünscht sich Herr Grindel, dass er in der Zukunft noch organisierter vorgehen kann.
Vorbilder:
In der ersten Geschichtsstunde hatte Herr Grindel alle seine Schüler gefragt, ob sie ein Vorbild haben. Wir stellten die Frage zurück. Er schätze Muhammad Alis Entschlossenheit, einen anderen Weg zu wählen, der sich völlig von dem seiner Nation unterscheide, und seine Widerstandsfähigkeit, den Gegenwind auszuhalten. Auch das Selbstbewusstsein Muhammad Alis wurde ins Gespräch gebracht, denn man könne viel erreichen, nicht nur mit dem Willen, sondern auch, wenn man überzeugt von sich selbst ist, obwohl man keine bestimmte Lebensrichtung hat.
„Scarface“ – sein Lieblingsfilm
Als wir Herrn Grindel fragten, was sein Lieblingsfilm sei, antwortete er fast sofort: Scarface. Was Scarface für ihn besonders macht, ist die große Anzahl an Themen, die der Film behandelt. Macht, Ehrgeiz, Erfolg und der persönliche Fall einer Figur werden miteinander verbunden. Am beeindruckendsten findet Herr Grindel jedoch die „Komplexität der Charaktere“. Die Figuren seien nicht einfach nur gut oder böse, sondern hätten verschiedene Seiten und würden sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Als Stefan bemerkte: „Brian De Palma is the GOAT“, war Herr Grindel vollkommen derselben Meinung.
Ein Buch, das ihn sogar in seinen Träumen begleitet hat
Da wir schon über Filme gesprochen hatten, durfte natürlich auch die Frage nach seinem Lieblingsbuch nicht fehlen. Seine Antwort war The Picture of Dorian Gray von Oscar Wilde. Der Grund dafür ist jedoch nicht nur seine Begeisterung für das Buch. Der Roman war auch das Thema seiner Masterarbeit. Deshalb hat sich Herr Grindel besonders intensiv mit der Geschichte beschäftigt und eine tiefe Verbindung zu dem Werk entwickelt. Er hat den Roman so genau analysiert, dass er schließlich sogar davon geträumt hat. Ob es Albträume oder normale Träume waren, wissen wir allerdings nicht – Herr Grindel hat uns das nicht verraten.
Linkin Park und eine besondere Erinnerung
Natürlich kann man nicht über Kultur sprechen, ohne auch über Musik zu reden. Die Lieblingsband von Herrn Grindel ist Linkin Park – genau wie bei Herrn Lewandowski. Sein Lieblingssong der Band ist New Divide, den er als „besten Song zum Joggen“ bezeichnete. Besonders interessant ist, dass er seinen Lieblingssong sogar schon einmal live gehört hat: 2014 in Köln.
Während er über Linkin Park erzählte, sprach Herr Grindel auch über eine sehr persönliche Erinnerung. Der Tod von Chester Bennington, dem Sänger und Frontmann der Band, war das erste Mal, dass ihn der Tod eines Prominenten wirklich emotional getroffen hat. Er beschrieb das Gefühl als ähnlich wie den Verlust eines sehr guten Freundes. Bis heute erinnert er sich genau an die Zeit, in der Chester Bennington gestorben ist: Juli 2017. Daran merkt man, wie stark Musik und Künstler mit persönlichen Erinnerungen verbunden sein können.
Alter Ego – die Bedeutung hinter dem Tattoo
Auch Tattoos können eine tiefere Bedeutung haben. Das Lieblingstattoo von Herrn Grindel trägt die Aufschrift „Alter Ego“. Der Grund dafür ist einfach, aber gleichzeitig sehr interessant: Herr Grindel findet es wichtig, sich bewusst zu sein, dass man sich im Laufe des Lebens verändern kann.
Unsere Meinungen, Ideen und Perspektiven sind nicht für immer gleich. Sie können sich durch neue Erfahrungen und neue Lebenssituationen verändern. Was uns Schüler heute beschäftigt, kann für uns in fünf Jahren vielleicht ganz anders aussehen. Herr Grindel betonte deshalb, dass es völlig in Ordnung ist, sich zu verändern. Neue Erfahrungen können dazu führen, dass man seine Meinung ändert oder die Welt aus einer anderen Perspektive betrachtet.
Was wir aus dem Gespräch mitnehmen
Das Gespräch mit Herrn Grindel hat uns gezeigt, dass ein Lehrer viel mehr ist als nur die Person, die vor der Klasse steht. Hinter dem Lehrer gibt es einen Menschen mit eigenen Interessen, Erinnerungen und Überzeugungen. Ob Filme, Bücher, Musik oder ein Tattoo – all diese Dinge erzählen etwas über seine Persönlichkeit. Vielleicht sind genau solche Gespräche eine gute Möglichkeit, Lehrer und Schüler einander näherzubringen und eine Verbindung aufzubauen, die über den normalen Unterricht hinausgeht.

