Ein Sommer-Erlebnis: Vama Veche
von David Costinescu
Nirgendwo ist es wie in Vama Veche. Irgendwie läuft die Welt dort anders. Eine Woche fühlt sich dort wie ein Monat an. Man trifft so viele verschiedene Menschen. Jeden Abend passiert etwas Neues, und genau an diesem „fantastischen“ Ort war ich diesen Sommer zum zweiten Mal mit meinen Freunden.
Es gibt einige inoffizielle Regeln:
- Schlafen macht man während des Tages.
- Wenn es gesundes Essen ist, wirf es ins Meer.
Was meine ich damit?
Wenn die Sonne aufgeht, geht man erst schlafen und wacht frühestens um 14 Uhr wieder auf. Den Rest des Tages verbringt man ein bisschen am Strand und isst. Jetzt kommt die zweite Regel. Man wirft jede Diät aus dem Fenster und blockiert den Ernährungsberater.
In Vama Veche isst man nur Schawarma und Pfannkuchen. Bis zum Ende des Aufenthalts waren wir Experten und hatten sogar eine Rangliste der besten Dönerläden. Mein Lieblingsladen war eindeutig „Bibi“ (kann ich inzwischen nicht mehr empfehlen).
Die Pfannkuchen an diesem Ort sind echte Kalorienbomben. Sie sind teuer, das stimmt, aber sie sind so lecker und so groß, dass einer für eine Person völlig ausreicht. Wir hatten auch eine „Mafia“ gegründet, indem wir den kleinen Bruder unserer Freundin losschickten, damit er einige Zutaten umsonst bekommt. Die Bomben aus Teig findet man bei „Clătite Master Șef“.
Was macht man, wenn die Sonne untergeht?
Jetzt beginnt der Spaß! Gewöhnlich trafen wir uns mit unserer Freundesgruppe am Strand. Dort standen wir stundenlang, redeten, amüsierten uns, machten Videos und so weiter. An einem Abend rannten wir sogar zwei Kilometer, einfach weil – warum nicht?
Gegen 1 Uhr gingen wir in die Clubs und blieben dort bis fast zum Sonnenaufgang. Hier hatte ich mein erstes Erlebnis in einem Club und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Atmosphäre lässt sich mit nichts vergleichen. Am meisten hat mir „HaVama“ gefallen. Dort werden Lieder aus verschiedenen Genres gespielt und es gibt auch etwas Besonderes: Es sind ein paar Fässer verteilt, auf die man steigen kann. Das Gefühl, mit seinen Freunden auf so etwas zu tanzen und bei lauter Musik Spaß zu haben, kann man kaum beschreiben.
Im Laufe der Nacht trifft man auf so interessante und unterschiedliche Menschen. Viele sind ziemlich verrückt, aber es gibt auch ein paar freundliche Leute, mit denen man stundenlang reden kann. In beiden Jahren sprachen wir mit völlig fremden Menschen die ganze Nacht und hätten auch noch weitermachen können. Ich fand die unterschiedlichen Lebensgeschichten dieser Menschen sehr faszinierend. Immer waren die Leute mit den traurigsten Geschichten die fröhlichsten. Im Club fühlt man sich wie in einer großen Familie. Man tanzt und singt, bis die Lungen platzen. Ich spreche und treffe mich immer noch mit Freunden, mit denen ich mich in Vama Veche angefreundet habe. Das finde ich einzigartig.
Aber genug mit der Beschreibung von Vama Veche. Kommt, ich erzähle euch auch eine Geschichte aus meiner Zeit dort (weil ich die anderen Geschichten nicht erzählen kann). An einem Abend standen wir am Strand und dachten, wie jeder Mensch es machen würde: Warum gehen wir nicht nach Bulgarien? Im Laufe der Tage hatten wir darüber gescherzt, aber jetzt meinten wir es ernst. Und so begann unser Abenteuer. Bis nach Bulgarien sind es von Vama Veche ungefähr 5 km, also dachten wir, dass wir in eineinhalb Stunden wieder zurück sein würden. Aber, wie ihr sehen werdet, kamen wir viel früher zurück.
Wir dachten, wir würden am Strand bis zur Grenze gehen, wechselten aber später auf die Straße, weil dort sehr viele unheimliche Zelte standen. Doch die Unruhe blieb, weil auf beiden Seiten seltsame Wohnwagen standen. Ich schaute ununterbrochen in jede Richtung. Kein Unterschied zwischen mir und einem Radar. Aber wir kamen schließlich zu einem Feld. Ich dachte: „Endlich! Jetzt kann ich mich ausruhen.“ Was für ein guter Witz. Getarnt in der Dunkelheit stand dort ein schwarzer Lieferwagen, und aus ihm kamen zwei Männer auf uns zu. „Auf Wiedersehen, meine Freiheit. Wahrscheinlich auch meine Organe. Ich werde euch sehr vermissen.“ Während sie sich näherten, fragte einer von ihnen, was wir hier machen. Doch dann konnte ich auf seiner Jacke „Poliția de frontieră“ (Grenzpolizei) lesen. Gott sei Dank behielt ich meine Organe. Aber meine Freiheit? Nehmen sie uns mit zur Polizeistation? Wir sagten ihnen, dass wir nur zur Grenze gehen wollten. Sie erklärten uns, dass wir nur tagsüber dorthin gehen dürfen, und ließen uns kurz danach in Ruhe. Dann liefen wir zurück zu unserer Freundesgruppe. Ich lebe weiter, also würde ich meine kurze Eskapade durchaus als erfolgreich bezeichnen.
Wenn ich euch nicht wenigstens ein bisschen neugierig darauf gemacht habe, Vama Veche kennenzulernen, dann bin ich gescheitert. Ich weiß jedoch sicher, dass ich noch viele Jahre jeden Sommer dorthin fahren werde. Und ich hoffe, dass ich euch auch dort sehen werde.

