Weimar – zwischen Kultur, Geschichte und Freundschaft
-Ein persönlicher Rückblick auf die Junge Europäische Sommerschule
von Sofia Stoian und Ana-Pia Crăciun
(Sofia) Vor drei Jahren, im Sommer, nahm meine Schwester Petra an der Weimarer Sommerschule teil. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich sie nach den zwei Wochen in Weimar am Flughafen wiedersah. Meine ganze Familie war glücklich, sie endlich wieder in die Arme schließen zu können. Doch während wir uns freuten, hatte Petra ein tieftrauriges, beinahe emotionsloses Gesicht. Der Grund für ihre Traurigkeit war eigentlich ganz einfach: Sie war wieder in Bukarest.
Nach zwei Wochen in Weimar erschien ihr Bukarest zu laut, zu heiß, zu hektisch und gleichzeitig zu leer. Sie erzählte mir von den wunderbaren Menschen, den Straßen und Gärten Weimars, dem täglichen Programm, der Natur und all den kleinen Momenten, die diese zwei Wochen so besonders gemacht hatten. Während ich ihr zuhörte, wuchs in mir der Wunsch, diese Erfahrung eines Tages selbst zu machen.
Jetzt, drei Jahre später, kann ich besser verstehen, was Petra damals empfand. Während ich diesen Artikel schreibe, kehrt ein Teil ihrer damaligen Traurigkeit zu mir zurück. Ich erinnere mich an die Menschen, die Orte, die Gespräche und an dieses besondere Gefühl, für kurze Zeit Teil einer anderen Welt gewesen zu sein. Und vor allem kehrt die Nostalgie zurück – die Sehnsucht nach etwas, das vorbei ist, aber innerlich weiterlebt.
Die Reise in eine andere Welt
(Sofia) Ich bewarb mich für die Junge Europäische Sommerschule in Weimar, ohne zu wissen, dass tatsächlich noch jemand aus Bukarest, sogar von derselben Schule, ausgewählt werden würde. Als wir die Zusagen erhielten, fiel mein Blick sofort auf Anas Namen. Ich verspürte eine gewisse Erleichterung. Es ging nicht nur darum, jemanden zu kennen, sondern auch darum, den ganzen Weg nach Weimar nicht allein bewältigen zu müssen – weder die Reise noch die Orientierung am Frankfurter Flughafen.
(Ana) Durch eine Freundin hatte ich von Weimar erfahren und war gespannt darauf, was mich erwarten würde. Ich muss auch sagen, dass ich mich sehr gefreut habe, Sofia auf der Liste zu sehen. Unsere Reise führte uns zunächst mit dem Flugzeug und anschließend mit mehreren Zügen durch fremde Bahnhöfe, vorbei an Menschen, die es eilig hatten, und durch eine Welt voller Geräusche, Gerüche und Gespräche. Alles war in Bewegung. Doch je näher wir Weimar kamen, desto mehr hatte ich das Gefühl, mich von dieser Hektik zu entfernen. Als wir schließlich im letzten Zug saßen veränderte sich etwas. Durch das Fenster betrachtete ich die Landschaft, und mit ihr schien sich auch meine Wahrnehmung zu verändern. Es war, als würde ich zum ersten Mal die Ruhe und Stille einer anderen Welt entdecken – einer Welt, in der nicht alles gleichzeitig geschehen musste. Schon im Flugzeug waren wir aufgeregt und fröhlich gewesen. Als wir dann mit dem Zug nach Weimar fuhren, waren wir von der Landschaft fasziniert.
(Sofia) Weimar ist eine ruhige, kulturreiche Stadt mit wunderschönen Gebäuden, Parks und einer beeindruckenden Natur. Es ist ein Ort, an dem man spazieren gehen kann, ohne ständig das Bedürfnis zu verspüren, möglichst schnell irgendwo anzukommen. Man kann stehen bleiben, beobachten und entdecken. Die Stadt lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen – für die Umgebung, für die eigenen Gedanken und für die Menschen, mit denen man unterwegs ist. Vielleicht war es gerade diese Ruhe, die mich so beeindruckte. Ich kam aus Bukarest, einer Stadt voller Bewegung und Geräusche, und fand mich plötzlich an einem Ort wieder, an dem ich das Gefühl hatte, die Welt bewusster wahrnehmen zu können.
Ein mysteriöses Gebäude voller Geschichte
Einer der Orte, die meinen Aufenthalt besonders prägten, war das Gebäude, in dem wir wohnten. Es gab einen riesigen Garten, einen Brunnen und zahlreiche Wege, auf denen man spazieren gehen und immer wieder neue Ecken entdecken konnte.
Hinter jeder Abzweigung schien etwas Neues zu warten: ein anderer Blick auf den Garten, ein ruhiger Platz oder ein Detail, das mir zuvor entgangen war. Während eines Seminars erfuhren wir, dass dieses Gebäude mit bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Kulturgeschichte verbunden war, darunter Herzogin Anna Amalia, Christoph Martin Wieland und Johann Wolfgang von Goethe. Nach einem langen, anstrengenden Tag saß ich einmal müde auf meinem Bett und dachte darüber nach, dass vor mehr als zweihundert Jahren Menschen, deren Gedanken und Werke die Kulturgeschichte geprägt hatten, in diesen Räumen gelebt hatten. Ich saß an einem Ort, an dem sie vielleicht gelesen, geschrieben, diskutiert oder einfach nur nachgedacht hatten. Dieser Gedanke faszinierte mich. Geschichte war plötzlich nicht mehr etwas, das ausschließlich in Büchern existierte. Sie war nicht mehr auf Jahreszahlen, Namen und Ereignisse beschränkt. Sie war Teil eines Raumes, in dem ich selbst saß. Es fühlte sich beinahe wie eine Kommunikation mit der Vergangenheit an – eine stille, schwer zu beschreibende Verbindung zwischen Menschen, die Jahrhunderte voneinander getrennt waren. Für einen Augenblick schienen Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr so weit auseinanderzuliegen. Vielleicht war genau das eine der schönsten Seiten Weimars: die Möglichkeit, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern sie an den Orten, an denen sie stattgefunden hatte, beinahe körperlich zu erfahren.
Der Ablauf
(Ana) Jeden Abend trafen wir uns, um den Plan für den nächsten Tag zu besprechen und uns über die bevorstehenden Aktivitäten und Ausflüge zu informieren. Natürlich hatten wir fast jeden Tag ein Seminar, in dem es in diesem Jahr um die Tragödie Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe ging. Gemeinsam besprachen und analysierten wir verschiedene Szenen und tauschten unsere Gedanken und Interpretationen aus. Dadurch konnten wir das Werk besser verstehen und neue Perspektiven entdecken.
(Sofia) Ein besonders wichtiger Ort in Weimar, den wir fast täglich besuchten, war die Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Zentrum der Stadt. Sie war nicht nur ein bedeutender Ort für die Recherche und die Bearbeitung unserer Aufgaben und Projekte, sondern auch ein beeindruckendes kulturelles Wahrzeichen der Stadt. Umgeben von unzähligen Büchern und einer einzigartigen Atmosphäre konnten wir dort in Ruhe lernen, arbeiten und lesen. Es ist ein Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte. Das historische Gebäude und seine prachtvolle Architektur waren wirklich beeindruckend – ein wahres Meisterwerk über vier Stockwerke hinweg!
Während unserer Spaziergänge durch Weimar besuchten wir zahlreiche historische Orte. Einer davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben: die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Als wir eintraten, war ich von den zahlreichen Büchern, Gemälden und Skulpturen überwältigt. Es fällt mir bis heute schwer, diesen Ort angemessen zu beschreiben. Ich habe das Gefühl, dass jede Beschreibung seiner Schönheit nur einen kleinen Teil dessen erfassen könnte, was ich dort empfunden habe. Alles schien seinen vollkommen passenden Platz zu haben. Jedes Detail wirkte durchdacht, jedes Element fügte sich in ein harmonisches Ganzes ein. Man konnte erkennen, wie viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt in die Gestaltung dieses Raumes geflossen waren. Es war, als würden die Skulpturen beinahe lebendig werden und die Bücher ihre eigenen Geschichten erzählen. Ich wollte jedes Detail in meinem Gedächtnis festhalten, als könnte ich dadurch verhindern, dass der Augenblick jemals verloren ginge. Meine Augen wanderten von einem Gegenstand zum nächsten, während ich versuchte, möglichst viel von dieser Schönheit aufzunehmen und die Zeit für einen Moment festzuhalten.
Die Begegnung mit der Vergangenheit
(Sofia) Auch die Museen, die wir besuchten, eröffneten uns neue Perspektiven auf die deutsche Kulturgeschichte. Im Stadtmuseum Weimar und im Schiller-Museum lernten wir durch unterschiedliche, teilweise interaktive Angebote mehr über Literatur, Kunst und das Leben
bedeutender Persönlichkeiten. Wir beschäftigten uns mit Goethes Faust, begegneten Schillers Lebensgeschichte und erhielten Einblicke in eine Zeit, die uns zunächst weit entfernt erschienen war. Besonders beeindruckte mich, wie menschlich diese historischen Figuren plötzlich wurden. Wir sahen Liebesbriefe, Tagebuchauszüge sowie Noten und Partituren Beethovens. Wir konnten die Beziehungen zwischen den Menschen nachvollziehen, ihre Gedanken kennenlernen und einen kleinen Einblick in ihre persönlichen Gefühle gewinnen. Es war, als wäre ich nicht nur eine Besucherin, sondern eine stille Zeugin dieser Ereignisse. Ein Zitat Goethes über Schiller ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Ich dachte mich selbst zu verlieren und verliere nun einen Freund und in demselben eine Hälfte meines Daseyns.“ Diese Worte machten die Tiefe ihrer Freundschaft auf eine Weise verständlich, die kein gewöhnlicher Lebenslauf vermitteln könnte. Goethe war nicht mehr nur der berühmte Dichter, dessen Name in unzähligen Büchern steht. Er war ein Mensch, der Freundschaft empfand, Verlust erlebte und mit den Schwierigkeiten des Lebens umgehen musste. Mein ganzes Leben lang hatte ich eine Schule besucht, die nach Goethe benannt
ist. Ich kannte seinen Namen, hatte von seinen Werken gehört und wusste, welche Bedeutung er für die deutsche Literatur besitzt. Doch in Weimar begann ich, ihn mit anderen Augen zu sehen.
Durch die Seminare lernte ich nicht nur seine Werke kennen, sondern auch den Menschen dahinter. Ich verstand besser, warum er nach Weimar gekommen war, was ihn an der Stadt hielt und welche Bedeutung die Natur für ihn hatte. Seine langen Spaziergänge waren nicht bloß Freizeitbeschäftigungen, sondern eine Quelle der Inspiration. Die Landschaft, die Stille und die Bewegung schienen ihm dabei zu helfen, seine Gedanken zu ordnen und neue Ideen zu entwickeln. Bekanntlich kam Goethe nach Weimar, um dort neue Aufgaben zu übernehmen und ein anderes Leben zu beginnen.
Je mehr ich über Goethe erfuhr, desto stärker verband ich ihn mit Weimar. Es war, als würden seine Gedanken und seine Art, die Welt zu betrachten, mich während meines Aufenthalts begleiten. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, selbst ein wenig von dem wahrzunehmen, was ihn einst bewegt haben könnte.
Die Goethe-Galerie
Besonders faszinierte mich die Verbindung zwischen Goethes persönlichem Leben und seinem
literarischen Schaffen. Seine Werke waren nicht einfach Texte, die unabhängig von ihrem Autor existierten. Sie waren auch Ausdruck seiner Erfahrungen, seiner inneren Konflikte und seiner Auseinandersetzung mit der Welt.
Ein Beispiel dafür ist sein erster Roman, Die Leiden des jungen Werthers, der als eine Art Odyssee der Seele Goethes gilt. Mit diesem Werk wurde Johann Wolfgang von Goethe zu einem Meister der subjektiven Perspektive, denn er zeigte, wie eng Literatur mit menschlichen Gefühlen und existenziellen Krisen verbunden sein kann. Goethe verwandelte schwierige Erfahrungen in Kunst und fand darin eine Möglichkeit, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sich selbst zu helfen. Die Literatur, das Schreiben, wurde für ihn zu einer Art Lebenstherapie und zur Generalbeichte des Schriftstellers, des Schöpfers und des Menschen.
Die Goethe-Galerie war ein weiterer Ort, der für mich zu den schönsten in Weimar gehörte. Ich glaube, sie war einer meiner absoluten Lieblingsorte. Dort gab es unter anderem das Goethe- und das Schillerzimmer, in denen Szenen aus ihren Werken in beeindruckenden Bildern dargestellt wurden. Ich konnte kaum glauben, dass Menschen diese Werke tatsächlich mit ihren eigenen Händen geschaffen hatten. Die Bilder waren unglaublich detailliert. Zunächst sah man das gesamte Kunstwerk, einen vollständigen Raum oder eine ganze Szene. Doch sobald man näher trat, entdeckte man immer mehr: winzige Figuren, versteckte Symbole und Einzelheiten, die mit großer Sorgfalt und
viel Gefühl gestaltet worden waren.
Es war, als würde sich mit jedem Schritt eine neue Ebene eröffnen. Die Bilder wirkten nicht statisch, sondern lebendig. Sie erzählten Geschichten, schufen Atmosphären und ließen die literarischen Welten auf eine andere Weise erfahrbar werden.
Die Seminare – Faust als Lebensfrage
Jedes Jahr steht die Weimarer Sommerschule unter einem anderen Thema, mit dem sich die Teilnehmenden während ihres Aufenthalts beschäftigen. In unserem Jahr war es Faust. Ich freute mich sehr darauf, mehr über das Werk zu erfahren, zumal es auch zu meiner Abiturlektüre gehört. Gleichzeitig hatte ich ein wenig Angst davor. Ich hatte von anderen gehört, dass Faust schwierig zu
verstehen sei, vor allem wegen seiner Sprache und der historischen Distanz.
Doch die Seminare waren viel spannender, als ich erwartet hatte.
Wir analysierten verschiedene Szenen, diskutierten über ihre Bedeutung und tauschten unsere Interpretationen aus. Wir beschäftigten uns nicht nur mit dem Inhalt des Werkes, sondern auch mit seiner Entstehung:
–Wie begann Goethe, dieses Drama zu schreiben?
–Warum beschäftigte es ihn über einen so langen Zeitraum?
–Weshalb wurde der zweite Teil erst nach seinem Tod veröffentlicht?
Solche Fragen machten das Werk für mich lebendiger. Ich begann, Faust nicht mehr nur als ein anspruchsvolles literarisches Werk zu betrachten, das ich für die Schule verstehen musste, sondern als Ausdruck einer tiefen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein.
Fausts Suche nach Erkenntnis, seine Unzufriedenheit und sein Wunsch, die Grenzen des eigenen Wissens zu überwinden, eröffneten zahlreiche Fragen, über die wir gemeinsam nachdenken konnten.
–Was bedeutet es, wirklich zu leben?
–Wie viel Wissen kann einen Menschen glücklich machen?
-Und was geschieht, wenn die Suche nach Antworten niemals endet?
Besonders interessant war, dass wir unterschiedliche Interpretationen kennenlernen konnten. Jeder brachte eigene Gedanken und Erfahrungen in die Diskussionen ein. Dadurch wurde deutlich, dass Literatur nicht immer eine einzige richtige Antwort bereithält. Manchmal liegt ihr Wert gerade darin, dass sie Fragen aufwirft, die uns noch lange beschäftigen. Wir betrachteten auch zahlreiche Bilder, auf denen verschiedene Szenen aus Faust dargestellt waren. Dadurch konnten wir das Werk aus unterschiedlichen Perspektiven erleben und erkennen, wie vielfältig seine künstlerischen Interpretationen sind.
Anders und doch gleich?
So sehr mich die Geschichte Weimars, die Museen und die Seminare beeindruckten, so sehr waren es auch die Menschen, die meinen Aufenthalt unvergesslich machten. Was mich besonders überraschte, war die Erkenntnis, dass wir uns trotz unserer unterschiedlichen Herkunft sehr ähnlich waren. Wir kamen aus verschiedenen Ländern, hatten unterschiedliche Traditionen kennengelernt und waren in ganz unterschiedlichen Umgebungen aufgewachsen. Unter uns waren Jugendliche aus Italien, Ungarn, Frankreich, Deutschland und Lettland.
Immer war da der Gedanke, dass wir nur zwei Wochen miteinander verbringen würden. Diese begrenzte Zeit machte jede Begegnung kostbar. Man wollte möglichst viel erleben, möglichst viele Gespräche führen und jede Minute bewusst genießen. Vielleicht war es gerade deshalb so leicht, sich zu öffnen. Wenn man weiß, dass eine Begegnung nur für kurze Zeit Teil des eigenen Lebens sein wird, verspürt man manchmal den Wunsch, diese Zeit besonders intensiv zu nutzen. Man erzählt Dinge, die man sonst vielleicht für sich behalten würde, spricht offen über Gefühle und lässt andere Menschen näher an sich heran.
Natürlich wusste niemand, ob wir uns jemals wiedersehen würden. Gerade diese Ungewissheit verlieh den gemeinsamen Tagen eine besondere Intensität. Wir wollten nicht nur oberflächliche Bekanntschaften schließen, sondern einander wirklich kennenlernen. Und dann waren da die Nächte. Sie gehörten zu meinen liebsten Momenten. Wir saßen gemeinsam in einem Zimmer, blieben bis tief in die Nacht wach und genossen die Stunden, in denen es draußen dunkel und still wurde. Das warme Licht ließ unsere Gesichter leuchten, während wir sprachen, erzählten und lachten.
Es waren Momente, in denen man die Zeit vergaß und einfach froh war, gerade dort zu sein – mit genau diesen Menschen. Diese Nächte fühlten sich manchmal so kostbar an, als müsste man jeden
Augenblick festhalten. Man wusste, dass die gemeinsame Zeit begrenzt war, und wollte sie deshalb nicht einfach verstreichen lassen. Für mich waren sie eine Form der Selbstentdeckung. Zwischen Gesprächen, Lachen und ernsthaften Diskussionen lernte ich nicht nur andere Menschen kennen, sondern auch mich selbst. Ich bemerkte, wie leicht es sein konnte, neue Freundschaften zu schließen, wenn man bereit war, sich auf andere einzulassen.
(Ana) Und was wäre eine Sommerschule ohne eine kleine Wanderung? Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in Richtung Eisenach und wanderten etwa zehn Kilometer durch die bekannte Drachenschlucht, eine beeindruckende Felsenschlucht, deren enge Wege zwischen steilen Felswänden hindurchführen. Die frische, kühle Luft strömte in unsere Lungen, während die Bäume und ihre Kronen ein wahres Meisterwerk der Natur bildeten. Die Wanderung war zwar anstrengend, aber die Atmosphäre machte jede Mühe wett. Unser Ziel war die Wartburg, die hoch über der Stadt Eisenach liegt.
Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, an dem Martin Luther einst das Neue Testament ins Deutsche übersetzte und an dem etwa hundert Jahre später das Wartburgfest stattfand. Man konnte die Geister der Vergangenheit und die Geschichte der Burg beinahe hören. Oben auf dem Turm angekommen, wurden wir mit einem herrlichen Panorama belohnt: Die weite Landschaft, die Berge und die grünen Wälder boten einen unvergesslichen Anblick. Es ist unglaublich, wie schnell ich dabei Gänsehaut bekam.
Neben Weimar und Eisenach hatten wir auch die Gelegenheit, weitere beeindruckende Städte zu entdecken. In Erfurt besichtigten wir den berühmten Dom mit seinen Buntglasfenstern und Statuen und erkundeten die historische Altstadt. Eine freundliche Dame erzählte uns von der Geschichte Erfurts und dem Einfluss Martin Luthers. Wir hörten ihr gerne zu, während sie leidenschaftlich berichtete. Die schönen, für Thüringen typischen Häuser, die kleinen Gassen und die besondere Atmosphäre machten unseren Besuch zu einem echten Erlebnis. Auch kulinarisch wurden wir nicht enttäuscht: Das Essen war sehr lecker, und wir konnten einige regionale Spezialitäten genießen, darunter Wildschweingulasch und Kartoffelpuffer.
Ein weiteres Highlight war unser Ausflug nach Leipzig am Samstag, unserem freien Tag während der Sommerschule. Wir konnten selbst entscheiden, wie wir den Tag verbringen wollten. Meine Freunde und ich entschieden uns, mit dem Zug nach Leipzig zu fahren und dort den Tag zu verbringen. Wir spazierten durch die Straßen, bewunderten die beeindruckende Architektur und entdeckten einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Besonders schön war es, die Stadt gemeinsam mit den anderen Teilnehmenden kennenzulernen und dabei neue Eindrücke zu sammeln.
Insgesamt war Weimar großartig, doch eines meiner Highlights war die Architektur des BauhausGebäudes. Es verband moderne und klassische Elemente und wirkte wie eine Zeitmaschine. Die riesigen Fenster und die schönen Proportionen beeindruckten mich sehr. In den Fluren waren Projekte ausgestellt, und ich fand es besonders spannend, die Arbeiten der Studierenden zu sehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich fand es sehr wichtig, mir die Universität anzusehen, da ich in Deutschland studieren möchte und meine Tante außerdem an der Bauhaus-Universität studiert hat. Familie überall, oder? 😉 Ich war sehr glücklich, diesen Ort gesehen zu haben.
Und zu guter Letzt …
(Ana und Sofia)
Rückblickend war die Europäische Sommerschule in Weimar eine unvergessliche Erfahrung. Wir konnten nicht nur unser Wissen über die deutsche Literatur und Kultur erweitern, sondern auch neue Freundschaften schließen, wunderschöne Städte entdecken und viele wertvolle Erinnerungen sammeln. Es waren Tage voller Lernen, Abenteuer und Begegnungen, an die wir uns noch lange erinnern werden.
Wir empfehlen allen deutschsprachigen Schülerinnen und Schülern diese Erfahrung von Herzen. Wir finden es bemerkenswert, dass Jugendliche eine solche Chance erhalten: zwei Wochen in einer anderen Stadt zu leben, sich mit Kultur und Geschichte auseinanderzusetzen, die deutsche Sprache zu üben und Menschen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen. Solche Erfahrungen erweitern den eigenen Horizont und fördern die persönliche Reife und Entwicklung. Sie zeigen einem, wie viel es zu entdecken gibt und wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben.

