…und von Zürich nach Saarbrücken? Forschungstage Informatik beim Max-Planck-Institut

von Marc-Tudor Ghencea (11B)
Fotos: Mihai-Eduard Ghetu (10B)

Wenige Tage nach unserem Besuch an der ETH Zürich erfuhren Mihai-Eduard Ghetu (10B) und ich, dass wir beide mit einem 2. Preis in der zweiten Runde des 44. Bundeswettbewerbs Informatik ausgezeichnet wurden. Dank dieser Leistung wurden wir im Sommer vom Max-Planck-Institut für Informatik zu den Forschungstagen Informatik in Saarbrücken eingeladen.

 

Für mich war es schon das zweite Mal bei den Forschungstagen, und ich kann jetzt ziemlich sicher sagen: Die Forschungstage sind das Highlight des Wettbewerbs. Die Veranstaltung wird jährlich für die Bestplatzierten der zweiten Runde sowie für die besten Abiturientinnen und Abiturienten in Informatik organisiert und beinhaltet viele spannende Workshops und Vorträge zu aktuellen Forschungsthemen.

 

Saarbrücken ist der zweitgrößte Forschungsstandort für Informatik in Europa, mit mehreren weltweit angesehenen Instituten, darunter das Max-Planck-Institut für Informatik (MPI-INF), aber auch das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme (MPI-SWS), das Zentrum für Bioinformatik (ZBI), das CISPA – Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit, die Universität des Saarlandes und viele weitere Institute, die alle Gastgeber bei den Forschungstagen Informatik waren. Während unserer Zeit in Saarbrücken wurden wir ständig von Doktoranden, Professoren und Forschenden dieser Institute betreut.

 

Nach einem von der Deutschen Bahn gewährleisteten Abenteuer ging es los mit der ersten Veranstaltung, nämlich mit einem Treffen mit einigen der Bewerter des Bundeswettbewerbs Informatik. Dieses Treffen war besonders toll, weil die Organisatoren des Wettbewerbs besonders viel Wert auf Transparenz legen. Es wurde also ganz offen darüber geredet, wie die Aufgaben ausgewählt werden, warum manche Lösungswege im Vergleich zu anderen bevorzugt werden und welche Probleme die Bewerter selbst beim Auswerten unserer Arbeiten hatten. Zusätzlich erfuhren wir, dass die allermeisten Bewerter freiwillig tätig sind und selbst während ihrer Schulzeit am Wettbewerb teilgenommen haben und jetzt entweder seit ein paar Jahren studieren oder sogar an ihrer Doktorarbeit arbeiten.

 

Später sind wir bowlen gegangen, was eine gute Gelegenheit war, nicht nur mit anderen Teilnehmern, sondern auch mit Dozenten ins Gespräch zu kommen. Manche Leser würden vielleicht behaupten, dass Informatiker eher asoziale Leute sind. Dem muss ich widersprechen, denn wir kamen sofort ins Gespräch. Es wurde viel gelacht und tatsächlich nicht so viel über Informatik geredet, denn wir haben auch andere Hobbys 🙂

 

Am zweiten Tag fing das „eigentliche“ Programm an. Ein sehr wichtiges Thema während der Forschungstage war die Informationssicherheit. In einer Zeit, in der man immer häufiger von Cyberangriffen hört, versuchen Forschende, immer bessere Methoden zu finden, um kritische Systeme zu schützen, wie wir in einer Vorlesung erfuhren. Nach dieser Vorlesung durfte ich sogar an einem Workshop teilnehmen, der dieses Thema vertiefte. In einer Kleingruppe von etwa sechs Personen untersuchten wir zusammen mit einem Forschenden des CISPA – Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit, welche Sicherheitslücken häufig in Webseiten zu finden sind und wie sie von Angreifern ausgenutzt werden können, um an sensible Informationen zu gelangen.

 

Der ganze Workshop war sehr praktisch angelegt: Wir schlüpften sowohl in die Rolle eines Webentwicklers, der seine Webseite sicher gestalten muss, als auch in die Rolle eines Hackers, der dieses Programm kompromittieren sollte. Programme aus diesen zwei radikal unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, ist also sehr wichtig, um das Internet und sämtliche Programme vor Angriffen zu schützen, auch wenn es anfangs komisch klingt, in die Rolle des Angreifers zu schlüpfen. Ziemlich schnell haben wir gelernt, dass diese Multiperspektivität eigentlich überall in der Forschung zu finden ist und dass man ohne sie eigentlich nie zu einer konkreten und korrekten Schlussfolgerung kommen kann.

 

Sehr wichtig für Forschende ist in letzter Zeit auch die Nachhaltigkeit, wie ich aus einem weiteren Workshop, ebenfalls in einer Kleingruppe, erfahren habe. Zusammen mit zwei Dozenten untersuchten wir die vielen Aspekte, die hinter dem Laden von Webseiten stecken, und wie sie sich auf die Umwelt auswirken. Anschließend haben wir ausführlich darüber diskutiert, wie man Webseiten effizienter gestalten kann, sodass die Stromnetze global weniger belastet werden und somit Energie aus möglicherweise unreinen Quellen eingespart wird. Hiermit wurde ganz gut verdeutlicht, dass die Forschung nicht nur höchst theoretisch ist, sondern auch viele praktische Aspekte betrachtet und nach Methoden sucht, durch die man die Theorie auch anwenden kann.

 

Auch über Ethik in der Forschung wurde geredet. Vielleicht klingt es jetzt ein wenig komisch, über Ethik bei einer Informatikveranstaltung zu reden, doch man hat die Pflicht als Informatiker – insbesondere im Zeitalter von selbstfahrenden Autos und Künstlicher Intelligenz, die immer häufiger eingesetzt wird –, Menschen zu schützen. Kann ein Algorithmus Menschen und ihre (Straf-)Taten tatsächlich objektiv beurteilen? Sollte ein selbstfahrendes Auto in einer unvermeidlichen Situation seine Passagiere schützen? Oder eher die Fußgänger? Das sind alles Fragen, die sich Informatiker stellen müssen, bevor sie etwas tun, denn sie bestimmen dieses Verhalten. Daher ist Ethik eigentlich einer der wichtigsten Aspekte der Forschung und der Informatik in der heutigen Zeit.

 

 

 

Während der zwei Tage fanden viel mehr Workshops und Vorträge statt als oben beschrieben, doch viele von ihnen waren sehr technisch (wie z. B. das Erzeugen von 3D-Bildern mittels 2D-Kameras), weshalb ich sie jetzt nicht alle vertiefen werde. Trotzdem waren die Forschungstage nicht „all work and no play“. Wir sind jeden Tag mit Dozenten und Studenten bis in die späten Abendstunden zusammengeblieben, haben mit ihnen die Stadt besichtigt, Tichu gespielt (ein sehr beliebtes Kartenspiel bei MINT-Veranstaltungen in Deutschland) und über allerlei Sachen geredet – von Informatik bis hin zur Philosophie und von Traditionen und Kultur bis hin zu weit entfernten Zukunftsträumen.

 

 

Man würde vielleicht vermuten, dass es zwischen Professoren und Doktoranden auf der einen Seite und Schülern auf der anderen Seite eine gewisse Distanz gibt. Das ist tatsächlich wahr, aber diese Distanz ist auch nicht so unfassbar groß, wie man denkt. Die Dozenten waren sehr freundlich und haben sich sehr gefreut, mit uns Schülern zu reden. Vor den Forschungstagen dachte ich, dass Forschende extrem seriöse Menschen sind, die nichts anderes tun, als jahrelang an bestimmten Aufgaben zu knobeln. Während das einigermaßen auch wahr ist, ist die Atmosphäre in den Instituten sehr kollegial: Man duzt sich (ja, auch wir durften duzen), an allen Bürotüren hängen eine Menge Memes und man lacht ganz schön viel zusammen.

 

 

Wenn ihr das alles interessant fandet und ihr vielleicht auch Lust darauf hättet, an den Forschungstagen teilzunehmen, versucht mal, die Aufgaben der diesjährigen ersten Runde des Bundeswettbewerbs Informatik zu lösen. Die erste Runde läuft noch bis zum 17. November, und die Abgabe der Lösungen erfolgt rein online.

 

 

Die Forschungstage Informatik sind wirklich eine der tollsten Veranstaltungen, an denen ich je teilgenommen habe. Es ist eine sehr gute Gelegenheit, sich mit anderen informatikbegeisterten Schülern zu treffen, einen Einblick in die Welt der Forschung zu bekommen und mit Dozenten und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen. Letztendlich ist die Forschung nicht so langweilig, wie sie oft porträtiert wird!

09.10.2026

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