Der Mann hinter unserer Webseite – Interview mit Herrn Goldbeck
von Maria Mihai und Maia Pripiş
Lehrer, Mentor, Persönlichkeit – Herr Goldbeck ist bekannt für seine kreativen Unterrichtsstunden, die Schüler zum eigenständigen Denken und kritischen Reflektieren anregen. Themen wie Freud oder Determinismus geben dabei oft Denkanstöße. Doch wer ist der Mensch hinter dem Lehrer, der uns Werke wie Medea oder Mario und der Zauberer näherbringt? Hier ist endlich das Interview!
Warum Rumänien?
Eine spannende Frage. Eigentlich wollte Herr Goldbeck nach Brasilien, doch sein Weg führte ihn schließlich nach Bukarest. „Komisch, oder?“, kommentiert er. Bereits in der elften Klasse verbrachte er ein prägendes Austauschjahr in Brasilien – eine Erfahrung, die in ihm den Wunsch weckte, Neues zu entdecken. Rumänien erschien ihm dabei nicht allzu fremd: kulturell reich, vielfältig geprägt und eng verbunden mit seiner Leidenschaft für europäische Geschichte und Kultur.
Kulturelle Unterschiede
Seit seiner Ankunft hat Herr Goldbeck deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und Rumänien wahrgenommen. Deutschland beschreibt er als stark debattenorientiert, da auch heikle Themen dort offen diskutiert würden. In Rumänien hingegen seien manche Gespräche noch stärker tabuisiert. Ein Beispiel ist die Rezeption von Wedekinds Frühlings Erwachen.
Gleichzeitig sieht er viele Vorteile in seiner Tätigkeit am Deutschen Goethe-Kolleg: die kleinere Schülerzahl erleichtert die Arbeit, eröffnet Freiräume und ermöglicht kritischere Auseinandersetzungen. Seine Kreativität und Offenheit tragen dazu bei, dass Unterrichtsstunden lebendig und spannend werden. Auch die rumänische Sprache begeistert ihn – bildhaft, ausdrucksstark und „bodenständig im besten Sinne“, wie er sagt. Für ihn ist sie eine „echte Sprache“, die eng mit ihren Sprechern verbunden bleibt.
Prägende Erfahrungen und Schulzeit
Die Liebe zu Sprache und Kultur erinnert ihn an seine Jugend. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Norddeutschland, verbrachte er viel Zeit auf einem Bauernhof. Diese „Dorfmentalität“ habe ihn geprägt und vielleicht auch seine Neugier auf die Welt geweckt.
Besonders eindrücklich war für ihn eine Aufgabe seiner damaligen Deutschlehrerin: einen Brief an das zukünftige Ich zu schreiben. Zunächst erschien ihm die Übung absurd, doch heute sagt er, dass er die Person, die diesen Brief verfasste, kaum wiedererkennt. So prägend war die Erfahrung, dass er diese Aufgabe inzwischen an seine eigenen Schüler weitergibt.
Mit 18 war Herr Goldbeck nach eigener Aussage rebellischer und radikaler. Heute blickt er gelassener auf die Welt, ausgeglichener und mit größerem Verständnis für verschiedene Perspektiven. Er versucht nicht mehr, sie kompromisslos zu verändern, sondern setzt auf Dialog und Engagement für das, woran er glaubt.
Interessen und Leidenschaften
Geschichte, Gesellschaft, Literatur, Musik und Film – Herr Goldbeck ist vielseitig interessiert. Besonders fasziniert ihn das Erzählen von Geschichten: „Erzähl mir eine Geschichte von dir“ ist für ihn eine wunderbare Aufforderung, um jemanden kennenzulernen. Denn die Art, wie jemand erzählt, offenbart vieles.
Seine persönlichen Vorlieben reichen von Sofia Coppolas Lost in Translation über die Musik von Sleep Token, The Doors und Ana Coman bis zu Klassikern wie Goethes Faust und Prometheus. Besonders ans Herz gewachsen ist ihm Murakamis Mister Aufziehvogel, den er als „super existentiell“ beschreibt – ein Werk, das man mit zunehmendem Alter tiefer versteht.
„Bildung ist cool“, lautet seine klare Botschaft. Schule sieht er als Raum des Austauschs, in dem Gespräche helfen, neue Perspektiven zu gewinnen. Jedes Buch sei ein Dialog mit dem Autor, jede Diskussion eine Gelegenheit, zu wachsen. Sein Rat an Schüler: neugierig bleiben, kritisch denken und sich immer als „werdender Mensch“ begreifen – nie als „fertig“.
Geschichten, die bleiben
Als leidenschaftlicher Geschichtenerzähler berichtete er uns von einem Musikfestival, das er gemeinsam mit Herrn Lewandowski besuchte. Nachdem er den Autoschlüssel verloren hatte – mitsamt allen Wertsachen der Gruppe im Wagen – schien die Situation aussichtslos. Wie sollte man auf einem Festivalgelände einen winzigen Schlüssel finden?
Während Herr Goldbeck verzweifelt suchte, blieb Herr Lewandowski nordisch gelassen: „Wir werden den Schlüssel finden.“ Und tatsächlich – eine halbe Stunde später kehrte er entspannt mit dem Schlüssel zurück: er hatte schlicht beim Fundbüro nachgefragt, woran Herr Goldbeck in seiner Panik nicht gedacht hatte. Für ihn ein Beispiel dafür, wie kleine Anekdoten wichtige Lektionen vermitteln – auf ganz sanfte Weise.
Eine Blume als Symbol
Auf die Frage, welche Blume er wäre, entschied sich Herr Goldbeck für den Klatschmohn. Dessen leuchtende Farbe und die Tatsache, dass er gepflückt schnell verwelkt, zeigen für ihn, dass die Natur am schönsten ist, wenn man sie nicht verändert.
Fun Fact: Laut einem Harry-Potter-Test im Internet gehört Herr Goldbeck nicht etwa zu Gryffindor, wie die rote Farbe des Mohns vermuten ließe, sondern zu Slytherin! Doch keine Sorge, liebe Neuntklässler: Er ist ganz anders als Snape.
Offen für die Zukunft
Ob Brasilien, Deutschland oder ein anderes Land – seine Zukunft hält er bewusst offen. Wichtig sei, neugierig zu bleiben und die Welt mit wachem Blick zu entdecken.

