
DiscoverEU: Meine Reise durch die Vielfalt Europas
Autor: Nick Olteanu
Jürgen Trabant beschreibt seine selbtdefinierte „hermeneutische Sprachkompetenz“ als „ein Bemühen um das Verstehen der Anderen und ein Anerkennen der Anderen in ihrer Andersheit“. Wenn man jedoch die Sprachkompetenz beiseitelässt und sich nur auf seine Definition der Hermeneutik konzentriert, wird deutlich, was ich mir letzten Sommer vor meiner DiscoverEU-Reise vorgenommen habe: eine tiefgehende Verbindung zu anderen Kulturen.
Nach dem Vorbild meiner Schwestern, die die Gelegenheit nutzten, im Ausland zu studieren und dadurch automatisch die Welt in all ihrer Vielfalt zu entdecken, sehnte auch ich mich danach, andere Länder zu bereisen und neue Menschen kennenzulernen. Mit großer Freude empfing ich die Bestätigungs-E-Mail von DiscoverEU, die sich schließlich als die Erfüllung meines Wunsches entpuppte. Es gibt bereits einen Artikel über DiscoverEU auf unserer Homepage. Falls ihr Informationen darüber benötigt, findet ihr sie HIER.
Da es bequemer und viel spannender ist, eine solche Reise mit einem Freund zu erleben, fragte ich meinen Freund Vlad, ob er Lust auf eine solche Reise hätte. Er war sofort einverstanden, und da er damals 19 Jahre alt war und nicht an DiscoverEU teilnehmen konnte, musste er 286 Euro für einen äquivalenten Pass bezahlen. Unser Plan war einfach: In zwei Wochen wollten wir so viel wie möglich sehen. Das bedeutete, dass wir alle Reisetage, die im Pass enthalten waren, ausschließlich für Reisen nutzen und am Ende mit dem Flugzeug nach Rumänien zurückkehren würden, um möglichst viel zu erleben. Der Flugpreis war jedoch nicht inbegriffen. Unsere gewählte Route war Bukarest–Budapest–Pressburg–Prag–Frankfurt–Paris–Straßburg–München. Es gab auch kleinere Städte, die explizit für Zwischenstopps mit dem Zug eingeplant waren, wie Mannheim, Kaiserslautern, Saarbrücken u.a., aber diese konnten wir nicht ausführlich besuchen. Die Wohnungen haben wir vor etwa zwei Monaten gebucht, um günstigere Preise zu erzielen. Trotzdem sind Städte wie München oder Paris immer noch sehr teuer. Dafür haben wir Kontakte genutzt, um Kosten zu sparen. Insgesamt haben wir 6 Länder besucht, 3.126 km zurückgelegt und 1 Tag und 15 Stunden im Zug verbracht.
Ich habe mir gedacht, eine TOP-5 der besuchten Plätze zu erstellen, um euch einen Eindruck von meinen Erlebnissen zu vermitteln.

5. Paris
Aus einer architektonischen Perspektive ist Paris unvergleichlich. Die Verbindung zwischen Gotik, Barock und dem Haussmann-Stil macht die Pariser Architektur besonders komplex. Da Bukarest in der Zwischenkriegszeit als „kleines Paris“ galt, war es für mich sehr interessant, die Ähnlichkeiten zwischen Paris und Bukarest zu entdecken. Der Arc de Triomphe zum Beispiel wurde auch in Bukarest übernommen, wenn auch in viel kleinerem Maßstab. Der Grund, warum Paris nicht höher auf der Liste steht, liegt in meinen Erfahrungen mit den Einheimischen. Meine eigene Erfahrung soll keinesfalls eine Verallgemeinerung der französischen Gesellschaft darstellen, und sie ist nicht als solche zu verstehen. Für mich persönlich sind menschliche Interaktionen jedoch sehr wichtig. Wenn man Englisch spricht oder sich als Tourist präsentiert, kann es vorkommen, dass man weniger freundlich behandelt wird. Die touristischen Attraktionen haben jedoch alles kompensiert, sei es durch die klassischen Sehenswürdigkeiten wie den Besuch des Eiffelturms oder des Louvre-Museums, oder durch die ungewöhnlicheren Erlebnisse, wie eine Bootsfahrt auf der Seine – Paris kann einen durchaus überraschen.
4.München
Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass ich München besuche, kann mich diese Stadt immer wieder überraschen. Nichts erfreut mich mehr als eine Portion traditionelle Würstchen mit Kartoffelsalat und das Hofbräuhaus-Bier. Dank meiner guten Sprachkenntnisse fällt es mir leicht, mich in die Gemeinschaft zu integrieren, und meine Schwester, die dort wohnt, hilft auch bei der Unterkunft. Darüber hinaus finde ich die ruhigeren Seiten der Stadt sehr angenehm (vor allem, wenn Bayern München nicht spielt), insbesondere da ich kein großer Fan von überfüllten Städten bin. Ein Nachteil, der mich jedoch ziemlich stark betroffen hat, sind die Zugverspätungen der Deutschen Bahn. Das kann den gesamten Plan durcheinanderbringen, weshalb man flexibel sein muss. Der DiscoverEU Pass bietet jedoch diese Flexibilität, was die Situation etwas weniger problematisch macht. Und nachdem man einen Spaziergang durch den Olympiapark gemacht hat und währenddessen heiße Maroni genießt, sind alle Unannehmlichkeiten im Nu vergessen.




3. Budapest
Wenn man an die Beziehungen zwischen Rumänen und Ungarn denkt, tauchen meist Stereotype auf. Die Geschichte der beiden Länder führt häufig zu Vorurteilen, die die Meinungen der Menschen negativ beeinflussen. Die Wahrheit ist jedoch, dass es den Ungarn egal ist, ob du aus Rumänien stammst oder nicht. Wir hatten nur positive Erfahrungen in Budapest und wurden auch mehrmals gefragt, woher wir kommen. Das Essen war besonders nach einem 15 Stunden langen Weg sehr gut. Die Menschen waren sehr respektvoll, und am erstaunlichsten fanden wir das Parlament, das nachts unglaublich schön erstrahlt. Die Basilika Sankt Stephan war ebenfalls sehr eindrucksvoll, da man von oben eine panoramatische Aussicht über ganz Budapest hatte. Wir sind leider nur zwei Tage geblieben, was uns nicht ermöglichte, alles zu erkunden, aber insgesamt waren wir sehr zufrieden mit unserer Zeit dort. Köszönjük Budapest!

2.Straßburg
Wie wir aus dem Geschichtsunterricht wussten, waren Elsass und Lothringen stets Gebiete von besonderem Interesse für sowohl Frankreich als auch Deutschland. Heute gehört die Region zu Frankreich, doch die deutschen Einflüsse sind nach wie vor präsent. Dies weckte in mir die Neugier, eine bedeutende Stadt des Elsass, nämlich Straßburg, zu besuchen. Für diese Reise hatte ich mir vorgenommen, eine „echte“ Karte anstelle von Google Maps zu verwenden, um besser auf kulturelle Nuancen aufzupassen. Wahrscheinlich aufgrund der vielen Anpassungen, die die Menschen in dieser Region im Laufe der Geschichte vornehmen mussten, sind sie ausgesprochen freundlich und pflegen einen sehr guten Umgang mit Touristen. Die Architektur ist hervorragend, und die Integration des Rheins als Teil der Stadt trägt dazu bei, dass die Landschaft ästhetisch sehr ansprechend wirkt. Da ich auf die reale Karte angewiesen war, war ich automatisch empfänglicher für Details. So konnte ich ein besonders interessantes kulturelles Detail bemerken. Da Deutsch eine bedeutende Sprache in dieser Region ist, sind die Straßennamen nicht nur auf Französisch, sondern auch auf Deutsch angegeben. Wer hätte erwartet, dass der „Place de la République“ auch als „Kaiserplatz“ bezeichnet wird? 😊 Besonders erfreulich war, dass die meisten Einheimischen Deutsch sprechen, was die Kommunikation für mich erheblich erleichterte. Die traditionellen Desserts und Weine sollte man unbedingt probieren, denn sie verlieben einen im wahrsten Sinne des Wortes in den Ort.



1.Prag
Wir hatten uns fest vorgenommen, Prag zu besuchen, da wir von zahlreichen Personen gehört hatten, dass die Stadt spektakulär sei. Ein weiterer Grund, der uns zu diesem Entschluss führte, war die Bierkultur, da Bier in fast allen Restaurants in Prag als Aperitif angeboten wird. Schon beim ersten Schritt in Prag wurden wir von einem beeindruckenden Zusammenspiel von Farben überwältigt. Alte Häuser, die renoviert und in verschiedenen hellen Farben gestrichen waren, ließen die Stadt wie ein Märchen erscheinen. Der Kopfsteinpflasterboden und der zentrale Platz, der von Terrassen und gemütlichen Orten gesäumt war, boten die perfekte Gelegenheit, die Atmosphäre zu genießen. Besonders bemerkenswert war, dass viele Touristen, darunter auch Rumänen, der Stadt eine vertraute Atmosphäre verliehen. Die Mentalität der Menschen ist ausgesprochen offen, sie zeigten reges Interesse an unserer Kultur und wollten mehr über uns erfahren. Eine besondere Freude war es, im Hard Rock Cafe eine Sonderaktion zu entdecken, die auf Rezepte aus verschiedenen europäischen Hauptstädten basierte. Eines der Angebote war der „Bucharest Burger“ 😊. Die Preise in Prag sind für eine so einladende Stadt durchaus angemessen, was uns ermöglichte, länger zu bleiben als in anderen Städten. Die öffentliche Verkehrsmittel sind hervorragend organisiert, wobei die U-Bahn eine effiziente Möglichkeit darstellt, größere Entfernungen zurückzulegen. Allerdings geht dies zu Lasten der malerischen Ausblicke, die Prag zu bieten hat. Bei einem Spaziergang durch die Stadt verliert man häufig das Zeitgefühl und kommt am Ende des Tages auf beachtliche 30.000 Schritte. Wenn ihr die Gelegenheit habt, kann ich einen Besuch in Prag nur wärmstens empfehlen – es ist in der Tat ein spektakuläres Reiseziel.



Angesichts der Möglichkeit, kostenlos mit dem Zug durch Europa zu reisen und Entfernungen von über 3000 km zu überwinden, kann ich das von Erasmus organisierte Programm DiscoverEU nur ausdrücklich empfehlen. Wenn ihr euch dafür entscheidet und auch ausgewählt werdet, stellt sicher, dass ihr euren Plan rechtzeitig erstellt, um von den besten Preisen zu profitieren. Die nächsten Anmelderunden finden zwischen dem 2. und 16. April 2025 statt. Wenn ihr also 18 Jahre alt seid, zöget nicht, euch zu bewerben. Es handelt sich um eine Erfahrung, die euer Leben verändern kann!