DSA und dann? – Gespräche mit unseren Alumni Teil III: Petra Stoian

Autorin: Maria Mandachescu

Im folgenden Interview beantwortet Petra Stoian, ehemalige Schülerin der Klasse 12C (Abschlussjahrgang 2023/2024), einige Fragen zu ihrem Studium. Petra studiert derzeit Architektur an der Technischen Universität München (TUM) in Deutschland.

 

F: Wie empfindest du den Unterschied zwischen Universität und Schule?
A: Das Leben an der Universität ist definitiv anspruchsvoller als in der Schule. Um gute Noten zu bekommen, muss man sehr viel leisten. Natürlich hängt das auch stark vom Studiengang und dem jeweiligen Semester ab. Ich finde jedoch, dass uns die Spezialabteilung gut auf das Studium vorbereitet hat – insbesondere, weil wir dort gelernt haben, eigenständig zu lernen. Im Studium ist man wesentlich selbstständiger: Während man in der Schule einen festen Stundenplan hat und klare Aufgaben bekommt, muss man an der Uni seine Zeit selbst organisieren und Prioritäten setzen. Zeitmanagement ist also eine zentrale Fähigkeit. Außerdem ist die Umgebung eine andere: Man ist nicht mehr Teil einer kleinen Klasse, sondern oft in großen Gruppen. In meinem Jahrgang sind wir etwa 150 Studierende. Dennoch gibt es auch hier eine Art Klassengemeinschaft – wir arbeiten in Assistentengruppen, was den Zusammenhalt fördert.

F: War es schwierig für dich, dich an das neue Leben als Studentin im Ausland zu gewöhnen?
A: Ehrlich gesagt fiel mir die Umstellung nicht allzu schwer. Natürlich vermisse ich meine Familie, aber ich bin so stark in die Uni eingebunden – sei es durch das Lernen oder die Projektarbeit –, dass wenig Zeit zum Nachdenken bleibt. Sehr geholfen hat mir, dass ich jeden Abend mit meiner Familie telefoniere. Das gibt mir ein Gefühl von Vertrautheit – fast so, als säßen wir gemeinsam am Esstisch in Bukarest. Außerdem gibt es an der TUM viele internationale Studierende, auch einige Rumänen, was das Ankommen erleichtert. Man merkt schnell, dass man nicht allein ist und viele ähnliche Erfahrungen machen. Ich denke, es ist wichtig, diese Phase zu genießen: Man ist jung, in einem neuen Land, umgeben von neuen Möglichkeiten und Orten.

F: Wie kommst du mit deinen Kommiliton*innen und den Lehrenden zurecht? Fühlst du dich wohl?
A: Unsere Professorinnen sind unglaublich klug und kreativ – sie sind eine echte Inspiration. Sie sprechen leidenschaftlich über Architektur und Kunst, was sehr motivierend ist. Die Dozentinnen sind auch freundlich und hilfsbereit – durch sie habe ich viel gelernt. Meine Kommiliton*innen sind ebenfalls sehr nett. Wir verbringen viel Zeit im Studio, wo wir gemeinsam an Projekten arbeiten. Man ist nie allein – Gruppenarbeit ist zentral im Architekturstudium, wodurch man sich schnell austauscht und neue Freundschaften schließt. Die TUM gefällt mir insgesamt sehr gut. Unser Studio befindet sich im fünften Stock mit einem fantastischen Blick über München – ein Raum, der Kreativität fördert und Entwicklung ermöglicht.

F: Welche Fächer belegst du im Studium?
A: Das Besondere am Architekturstudium ist seine Interdisziplinarität. Im Modul „Entwerfen und Konstruieren“ lernen wir, wie man Gebäude mit verschiedenen Materialien – etwa Beton, Ziegel oder Holz – gestaltet. Dabei können wir unsere Kenntnisse praktisch umsetzen, indem wir eigene Gebäude entwerfen. Die Dozierenden fördern unsere Kreativität und helfen, die Ideen weiterzuentwickeln.
Ein weiteres Fach ist „Tragwerkslehre“, also die statische Mechanik. Hier geht es um die Stabilität von Gebäuden – wichtig, denn ein Architekt ist auch ein Ingenieur.
In „Baugeschichte“ beschäftigen wir uns mit der Architektur Ägyptens, des antiken Griechenlands und mit verschiedenen Tempelarten – sehr spannend, weil viele heutige Bauwerke davon inspiriert sind.
Im Fach „Erfassen und Bewerten“ lernen wir, Räume zu analysieren und architektonische Werte zu erkennen. Wir untersuchen z. B. eine Tür hinsichtlich ihrer Bauweise und ihres Zustands – fast wie Archäolog*innen.
„Wissenschaftliches Arbeiten in der Architektur“ lehrt uns zu recherchieren und wissenschaftlich zu schreiben. Eine meiner Arbeiten behandelte „Holzarchitektur und nachhaltige Stadtentwicklung“.
Dann gibt es „Darstellen und Gestalten“, wo wir mit verschiedenen Materialien kreative Objekte entwerfen – zuletzt mit Glas und Stein.
Im Fach „Architekturzeichnen“ skizzieren wir Gebäude und Panoramen. Im Sommersemester steht eine Exkursion nach Florenz an – darauf freue ich mich schon sehr.

F: Wie sieht dein Alltag aus? Entspricht er deinen Erwartungen?
A: Ich hatte mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht – und tatsächlich entspricht vieles meinen Vorstellungen. Unter der Woche stehe ich früh auf, weil die Vorlesungen morgens beginnen. Mittags esse ich mit Freundinnen in der Mensa, danach arbeiten wir im Studio weiter an unseren Projekten. Besonders schätze ich den Austausch mit den Dozentinnen – wir bekommen direktes Feedback zu unseren Ideen. Zwischendurch gehen wir auch mal in die „Papierkiste“, unser Materialgeschäft. Abends telefoniere ich mit meiner Familie und erledige alltägliche Dinge. Am Wochenende arbeite ich oft weiter an Projekten, aber wenn ich freie Zeit habe, gehe ich gerne in die Oper, ins Ballett oder mache Spaziergänge durch die Stadt.

F: Was ist dein Lieblingsort in München, und wie unterscheidet sich die Stadt von Bukarest?
A: Mein Lieblingsort ist die Wiese bei den Pinakotheken, direkt neben der TUM. Dort ist es wunderschön – besonders im Frühling, wenn die Kastanienbäume blühen.
München unterscheidet sich stark von Bukarest – architektonisch und kulturell. In Bukarest trifft man auf viele Stilrichtungen, von kommunistischer Architektur bis zur Zwischenkriegszeit. München wirkt homogener, mit bunten Fassaden in Vierteln wie Maxvorstadt oder Giesing. Außerdem ist die Stadt multikultureller und verkehrsberuhigter – viele nutzen das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel.

F: Welche neuen Herausforderungen bringt das Studentenleben im Vergleich zur Schulzeit?
A: Man muss plötzlich alles selbst managen: Kochen, putzen, einkaufen – das war zu Hause selbstverständlich und wurde oft von meinen Eltern übernommen. Jetzt liegt alles in meiner Verantwortung, selbst in Prüfungsphasen. Auch die Arbeitsbelastung ist höher als in der Schule. Aber die größte Herausforderung ist die Eigenverantwortung – man muss lernen, seine Zeit effektiv einzuteilen.

F: Welche Tipps würdest du Schüler*innen geben, die in Deutschland Architektur studieren möchten?
A: Die DSA bereitet uns bereits gut vor – besonders durch Gruppenarbeiten. Teamfähigkeit ist im Architekturstudium sehr wichtig. Man kann sich auch vorbereiten, indem man gerne zeichnet, Gebäude beobachtet oder fotografiert. Es ist aber auch kein Problem, wenn man damit erst im Studium beginnt. Offenheit ist entscheidend – man muss bereit sein, auf andere einzugehen und ihre Ideen mit einzubeziehen. Grundkenntnisse in Mathematik und Physik sind ebenfalls hilfreich. Und allgemein gilt: neugierig bleiben! Geht spazieren, schaut euch Städte an, lest Bücher, lasst euch von Kunst inspirieren.

24.9.25

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