Mit Worten überzeugen: Unsere Erfahrungen bei „Jugend debattiert“
von Vladimir Sandu, Ștefan Ionuțiu und Sofia Stoian
Am Freitag, den 30.01.2026, fand am Goethe-Kolleg Bukarest das Schulfinale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ statt. Dabei lernen Jugendliche, wie man respektvoll, sachlich und überzeugend über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen diskutiert.
„Jugend debattiert“ ist ein Projekt, bei dem Schülerinnen und Schüler ihre Argumentationsfähigkeit, Ausdrucksweise und Teamarbeit verbessern. Ziel ist es, eine eigene Meinung zu vertreten und gleichzeitig andere Standpunkte zu verstehen.
Der Wettbewerb folgt festen Regeln. In jeder Debatte treten zwei Personen für die Pro-Seite und zwei Personen für die Kontra-Seite an. Jede Debatte besteht aus drei Teilen:
Zuerst hält jede Person eine Eröffnungsrede von zwei Minuten, also insgesamt acht Minuten. Danach folgt die freie Debatte, die zwölf Minuten dauert. Zum Schluss gibt es eine Schlussrede von einer Minute pro Person.Am Goethe-Kolleg wurden zwei Debatten durchgeführt.
Das erste Thema lautete: Sollten Kurzstreckenflüge innerhalb der EU verboten werden?
Hier wurde unter anderem über den Klimaschutz, alternative Verkehrsmittel und die Auswirkungen auf Reisende diskutiert.
Das zweite Thema war: Sollte die EU ein gemeinsames Bildungssystem in allen Mitgliedstaaten fördern? Dabei ging es um Chancengleichheit, kulturelle Unterschiede und die Zukunft der Bildung in Europa.
Insgesamt war „Jugend debattiert“ eine spannende und lehrreiche Veranstaltung, bei der die Teilnehmenden gezeigt haben, wie wichtig respektvolle Diskussionen in einer Demokratie sind. Nach den spannenden Debatten wurden zwei Debattierende ausgewählt, die unsere Schule im Landesfinale vertreten werden. Die Entscheidung traf eine Jury, die aus drei Lehrern bestand: Herr Lewandowski, Herr Ruppert und unser Abteilungsleiter Herr Wulff. Außerdem gehörten der Jury eine Vertreterin der Deutschen Botschaft sowie eine Debattantin an, die unsere Schule im vergangenen Jahr im Landesfinale vertreten hatte.
Ich konnte mich nicht einmal freuen, als ich Herrn Ruppert sagen hörte, dass auch ich am Wettbewerb teilnehmen würde. In meinem Kopf gab es bereits viele negative Gedanken. Ich nahm am Klassenfinale teil, weil wir dort unsere Notizen benutzen durften, falls wir etwas vergessen würden. Doch als ich erfuhr, dass wir beim Schulfinale keine Notizen verwenden durften, bekam ich große Angst. Ich fragte mich immer wieder, wie ich es schaffen sollte, vor 60 Menschen frei zu sprechen.
Obwohl wir neun Tage Zeit hatten, um uns auf das Finale vorzubereiten, dachte ich die meiste Zeit nur darüber nach, wie ich meine Angst vor dem öffentlichen Sprechen überwinden könnte. Jedes Mal, wenn ich für die Debatte recherchieren wollte, erinnerte ich mich an diese Angst und konnte mich nicht richtig konzentrieren. Zum Glück hatte ich eine sehr entspannte Partnerin. Miruna half mir mit ihrer besonderen Art, ruhig zu bleiben und meine Argumente besser zu ordnen. Deshalb überrascht es mich nicht, dass sie den zweiten Platz erreicht hat und sich qualifizieren konnte. Am Ende glaube ich, dass die wichtigste Fähigkeit bei einem solchen Wettbewerb ist, ruhig zu bleiben.
Dann wurde mir klar, dass diese Angst vor öffentlichen Auftritten nicht einfach von selbst verschwindet. Deshalb entschied ich mich, meine Komfortzone zu verlassen. Ich bin eher ein introvertierter Mensch und vermeide oft die Interaktion mit anderen. In der Woche vor dem Wettbewerb nahm ich mir vor, mit mehr Menschen zu sprechen – auch in Momenten, in denen ich lieber allein Musik gehört hätte.
Außerdem stellte ich meinen Freunden meine Argumente vor, was mir sehr geholfen hat. Am Tag des Wettbewerbs durften wir uns mit Hilfe der Lehrer vorbereiten. Ich traf mich mit Alex, meinem Debattierpartner, und wir machten mehrere Debattierübungen. Als der Wettbewerb begann, fühlte ich mich ziemlich sicher. Überraschenderweise war ich während der Debatte so konzentriert, dass ich das Publikum und meine Ängste fast völlig vergaß. Am Ende finde ich, dass wir alle eine sehr gute Leistung gezeigt haben, was mich an ein Zitat eines der besten Regisseure erinnert:
„Angst entsteht oft im Kopf – die Realität ist meist harmloser.“
– Steven Spielberg
Die Luft im Saal war heiß, die Herzen schlugen schneller und alle Blicke waren gespannt. Wir waren unglaublich gestresst, und einer von uns sagte: „Wisst ihr, eigentlich ist das hier nicht einmal verpflichtend – wir haben uns freiwillig dafür entschieden.“ Wir alle wussten, warum wir hier waren. Dieser Wettbewerb bedeutete für uns eine Chance, einen Schritt nach vorn – ein Teil unserer persönlichen Entwicklung. Man lernt nicht nur, mit Nervosität umzugehen, man lernt zu wachsen.
Der Saal war voller Menschen, vertrauter Gesichter, die miteinander redeten und in meinen Augen sorglos und frei wirkten. Inmitten der Hitze des Raumes, zwischen den Emotionen und Geräuschen, nahm ich neben meinen Teamkollegen Platz. Sie hatten denselben Blick wie ich, dieselbe Mischung aus Angst, Hoffnung und Aufregung. Ohne ein Wort zu sagen, verstanden wir uns, und ich stellte fest: Ich war nicht allein – wir saßen im selben Boot. Dann wurden unsere Namen aufgerufen, und ich fühlte mein Herz bis zum Hals schlagen. Wir gingen nach vorne, vor die gespannten Augen der Jugendlichen und unserer Lehrer, die uns die Daumen drückten. Doch als mein Kollege Vladi die Debatte mit so viel Selbstvertrauen eröffnete, spürte ich, wie sich dieses Gefühl nicht nur auf mich, sondern auf uns alle übertrug. Ich hörte meine eigene Stimme, sah meine Gedanken aufblühen und meine Meinung Gestalt annehmen. Eine eigene Meinung – was für ein schönes Wort! Was für ein Privileg.
Wir hörten den anderen zu, und das ist etwas, was viele Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, nie wirklich lernen. Wirkliches Zuhören führt zu Verständnis, Empathie und Respekt für andere Menschen, andere Perspektiven und Einsichten. Denn letztlich ist es genau das, was jeder Mensch – ja, jedes Lebewesen – braucht: verstanden zu werden. „Jugend debattiert“ wirkt vielleicht wie ein einfacher Streit über scheinbar langweilige Themen, doch in Wahrheit ist es weit mehr: Es lehrt Jugendliche, was Menschlichkeit bedeutet, bringt ihnen die Vielfalt der Welt und der Meinungen näher und knüpft neue Bündnisse mit unerwarteten Personen.
Denn letztendlich ist jedes Erlebnis, jeder Herzschlag Teil unseres Lebens und unseres Wachsens.

