Rumänische vs. Spezialabteilung: Ein persönlicher Vergleich
von Dan Capatina
Die wichtigste Wahl, die ein Schüler des deutschen Goethe-Kollegs treffen muss, ist, welche Klasse er im Lyzeum, also ab der Klassenstufe 9, besuchen will. Wie wir alle wissen, lassen sich die Klassen in zwei Typen einteilen, nämlich in die rumänische und die deutsche Spezialabteilung (DAS).
Mein Weg im Lyzeum begann in der Philologieklasse der rumänischen Abteilung. Bis zu meinem Jahrgang war ein Transfer zu der Spezialabteilung nicht möglich, aber gleich als ich hörte, dass diese Möglichkeit nun bestand, war für mich klar, dass ich dies probieren wollte. Aus meiner Sichtweise gab es Nichts zu verlieren bei einem einfachen Versuch. Nach der neunten Klasse habe ich eine Transferprüfung geschrieben, mit deren Hilfe ich es geschafft habe, in die Sozialwissenschaftsklasse der Spezialabteilung zu kommen. Hier habe ich die ganze zehnte Klasse verbracht und werde auch weiterhin bis zum Abitur in der Abteilung sein. Ich war aber sehr überrascht, als ich bemerkte, dass obwohl sich beide Abteilungen unter demselben Dach befinden, die Lernbedingungen sehr verschieden sind. Meine Erfahrungen in den beiden Klassen haben mir geholfen, eine klare Sichtweise auf die Unterschiede zwischen ihnen zu entwickeln.
Illustratorin: Iunia Reff
Vorteile und Nachteile der beiden Abteilungen aus meiner Sicht
Zuerst will ich über den Unterschied beim Eintritt in die Spezial- und in die rumänische Abteilung sprechen. Die Note, die man in der Prüfung der achten Klasse braucht, unterscheidet sich von Jahr zu Jahr, aber prinzipiell ist die benötigte Note für die Spezialabteilung erheblich höher als für die normalen Klassen. Das liegt an den Vorteilen, die einem Schüler der Spezialabteilung angeboten werden. Die Frage ist aber sicherlich, ob diese akademischen Vorteile den Notenunterschied rechtfertigen können.
Der Vorteil, der am deutlichsten ist, ist das Ablegen des Abiturs im Vergleich zum rumänischen Bakkalaureat und dem DSD (Deutschen Sprachdiplom). Diese zwei Abschlüsse unterscheiden sich in mehreren Aspekten, aber wichtig ist, dass das Bestehen des Abiturs automatisch auch ein C2-Niveau in Deutsch garantiert, während man durch das DSD höchstens C1 erreichen kann. Und obwohl die beiden Niveaus nicht weit voneinander zu sein scheinen, ist der Unterschied sprachlich gesehen ziemlich groß. Das Abitur macht auch den Prozess, sich um ein Auslandsstudium zu bewerben, viel einfacher, da man mit dem Abitur als rumänischer Schüler wie ein deutscher Absolvent wird.
Bei all diesen Vorteilen muss man bedenken, dass die Spezialabteilung anspruchsvoller ist als die rumänische, da das Abitur für deutsche Universitäten als überlegen angesehen wird. Selbstverständlich ist ein Abiturzeugnis viel hilfreicher für einen Schüler, der in einem deutschsprachigen Land studieren will, aber nicht alle Schüler des Goethe-Kollegs befinden sich in dieser Situation. Wegen der größeren Arbeitslast kann die rumänische Abteilung für Schüler, die in Rumänien studieren wollen, durchaus vorteilhafter erscheinen.
Unterschiede im Unterrichtsalltag
Bis jetzt habe ich nur über Zeugnisse gesprochen. Diese erhält man aber erst nach dem Schulabschluss. Wichtig ist auch, wie der Unterricht in den beiden Abteilungen verläuft. Es ist erwähnenswert, dass mehr als die Hälfte der Stunden pro Woche genau wie bei einer Klasse der rumänischen Abteilung verlaufen, da auch viele Lehrer dieselben sind. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Geschichte gibt es jedoch eine klare Veränderung der Situation: In diesen Fächern unterrichten deutsche Lehrkräfte, die teilweise andere Lehrmethoden als die rumänischen Lehrer nutzen.
Was ich an diesen Methoden am meisten mag, ist die klare Systematisierung der Noten. Du weißt von Anfang an, wie du Noten erhältst, und das ist eine riesige Hilfe, weil du dich auf die Kernaspekte konzentrieren kannst, die dir bessere Noten bringen. Tests und Projekttermine sind festgelegt, und das erlaubt dir, deinen Lernprozess gut zu organisieren. Auch die Bewertung der Tests ist klar und ausführlich, sodass du leicht verstehst, was du verbessern kannst. Wenn es nicht gerade um Tests geht, gibt es noch die SoMi-Note (sonstige Mitarbeit), die sich auf die aktive mündliche Mitarbeit in den Stunden konzentriert. Auch hier ist es klar, worauf die Lehrer achten, wenn sie sich für eine Note entscheiden. Im Vergleich zum rumänischen System, wo es keine solche Gliederung gibt, fand ich das sehr hilfreich, als ich in die Spezialabteilung kam. Trotzdem ist der Lehrplan in der rumänischen Abteilung lockerer, was für viele ein großer Vorteil ist.
Außerschulisch Aktivitäten
Letztlich will ich über außerschulische Aktivitäten sprechen. Seitdem ich Schüler der Spezialabteilung bin, habe ich an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen, viele Dinge, die in der rumänischen Abteilung gar nicht stattfinden. Zu diesen Events zählen Messen, Vernissagen sowie Veranstaltungen, die uns bei unserer zukünftigen Studienwahl helfen. In der zehnten Klasse habe ich sogar bei einer Musikproduktion- und Foto-AG mitgemacht. All diese Aktivitäten waren kostenlos und freiwillig für alle Schüler der DSA, und meiner Meinung nach helfen sie sehr bei der persönlichen Entwicklung und der Vorbereitung auf die Zukunft.
Zusammenfassend kann man nicht entscheiden, dass eine der beiden Abteilungen besser als die andere ist. Beide haben Vorteile und Nachteile und passen zu verschiedenen Personen. Am Ende ist die wichtigste Wahl nicht nur, welche Abteilung man wählt, sondern was man aus dieser Erfahrung macht. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass jede Entscheidung richtig sein kann, wenn man bereit ist, das Beste daraus zu lernen. Ich will später in Deutschland studieren, also weiß ich, dass mein Transfer für mich eine gute Entscheidung war. Trotzdem kann ich völlig verstehen, wenn jemanden die rumänische Abteilung über die deutsche wählen wurde. Es kommt am Ende besonders darauf an, selbst zu wissen, welche Ziele man hat.

