Von Bukarest nach Zürich: Einblicke in die Welt der ETH

Autor: Mihai-Eduard Ghețu

„Hoi zäme!“ So wurden wir in Zürich begrüßt.
Vom 28. bis 30. Mai hatten drei Schüler des Deutschen Goethe-Kollegs Bukarest die besondere Gelegenheit, die ETH Zürich, eine der beste technischen Universitäten der Welt, zu besuchen. Die Teilnehmer unserer Schule waren Mihai-Eduard Ghețu, Cristian Horațiu Avram Popa und Marc-Tudor Ghencea.

Die Einladung erfolgte im Rahmen des Bundeswettbewerbs Informatik, einem der bedeutendsten Informatikwettbewerbe im deutschsprachigen Raum. Nachdem wir die erste Wettbewerbsrunde erfolgreich abgeschlossen und unsere Lösungen für die zweite Runde eingereicht hatten, wurden wir gemeinsam mit elf weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland nach Zürich eingeladen.

Schon am ersten Tag hatten wir die Gelegenheit, mit Doktoranden der ETH ins Gespräch zu kommen. Sie erzählten uns offen von ihrem Studienalltag, davon, wie sie an die Universität gekommen waren.  Dabei wurde uns schnell klar: Die größte Herausforderung an der ETH besteht nicht darin, aufgenommen zu werden, sondern dort zu bleiben.

Vor allem das erste Studienjahr gilt als besonders anspruchsvoll. Die Studierenden werden intensiv geprüft, und nur diejenigen, die Ausdauer, Eigenverantwortung und Begeisterung für ihr Fach mitbringen, meistern diese Phase erfolgreich. Dennoch hatten wir nicht den Eindruck, dass die Menschen dort unter ständigem Druck stehen. Im Gegenteil: Wer bereit ist, ernsthaft zu arbeiten, findet an der ETH alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein.

Uns beeindruckte besonders die Lernkultur der Universität. Studierende haben Zugang zu spezialisierten Bibliotheken, modernen Lernräumen und zahlreichen Ressourcen. Dabei geht es nicht nur darum, Informationen auswendig zu lernen. Wichtig ist vor allem die Fähigkeit, relevante Informationen zu finden, kritisch zu hinterfragen und daraus neue Ideen zu entwickeln. Bildung bedeutet hier nicht bloß Wissensaufnahme, sondern die Entwicklung einer Denkweise.

Am zweiten Tag trafen wir die elf weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, die ebenfalls durch ihre Leistungen im Bundeswettbewerb Informatik eingeladen worden waren. Gemeinsam nahmen wir an Vorträgen und Workshops teil.
Dabei erhielten wir spannende Einblicke in aktuelle Forschungsgebiete. Wir erfuhren mehr über Computerarchitektur, Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und die Rolle der Informatik in Bereichen wie Chemie, Biologie und Physik. Besonders interessant fanden wir die Erkenntnis, dass Informatik heute weit mehr ist als das Schreiben von Algorithmen. Sie ist ein Werkzeug geworden, mit dem reale Probleme gelöst werden können.
Während der Führung über den Campus lernten wir auch das Student Project House kennen. Dieser Ort begeisterte uns besonders. Hier können Studierende ihre eigenen Projekte verwirklichen und erhalten Zugang zu 3D-Druckern, Lasercuttern, Werkzeugen, modernen Arbeitsplätzen und allem, was man zur Umsetzung einer Idee benötigt. Zum ersten Mal sahen wir sogar einen industriellen Laserschneider aus nächster Nähe. Uns wurde bewusst, dass Innovation nicht allein in Vorlesungssälen entsteht. Sie entsteht dort, wo Menschen die Freiheit erhalten, ihre Ideen praktisch umzusetzen.
Auch die Geschichte der ETH faszinierte uns. Besonders beeindruckt waren wir vom berühmten Schrank Albert Einsteins, der an seine Studienzeit an der Universität erinnert. Die kleine Ausstellung war sorgfältig gestaltet und vermittelte einen persönlichen Einblick in das Leben eines Wissenschaftlers, dessen Ideen unsere Welt nachhaltig verändert haben.

Doch unser Besuch bestand nicht nur aus Vorträgen und Laborführungen. Die Doktoranden organisierten verschiedene Spiele und Gruppenaktivitäten. Anfangs wirkten diese wie eine kleine Abwechslung im Programm. Schnell merkten wir jedoch, dass dahinter viel mehr steckte. Die Aufgaben erforderten Vertrauen, kritisches Denken und Teamarbeit. Wissenschaft ist selten eine Einzelleistung. Große Ideen entstehen meist dort, wo Menschen bereit sind, ihr Wissen zu teilen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Neben der Universität lernten wir auch Zürich selbst kennen. Wir besuchten die historische Altstadt, spazierten entlang des Zürichsees, genossen die Aussicht von der Polyterrasse und besichtigten das beeindruckende Grossmünster. Auch die kleinen Dinge des Alltags hinterließen bei uns einen bleibenden Eindruck. Überall in der Stadt fanden sich öffentliche Trinkbrunnen. Nach kurzer Zeit stellten wir scherzhaft fest, dass Schweizer Studierende sicher nicht verdursten würden.
Ebenso beeindruckte uns das Verhalten der Menschen im Straßenverkehr. Ein Erlebnis blieb uns besonders in Erinnerung: Ein Auto, das gerade in den Verkehr einbiegen wollte, setzte zurück, nur damit wir als Fußgänger sicher die Straße überqueren konnten. Es war eine kleine Geste, die jedoch viel über gegenseitigen Respekt aussagte.

Die drei Tage in Zürich haben uns nicht nur fachlich inspiriert, sondern auch persönlich geprägt. Der Austausch mit Studierenden, Forschenden und anderen Wettbewerbsteilnehmern zeigte uns, wie wichtig Neugier ist.
Zürich erschien uns als ein Ort, an dem Innovation, Bildung und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen. Natürlich ist das Leben dort teuer, und die Anforderungen an Studierende sind hoch. Gleichzeitig wurde uns deutlich, wie viel möglich ist, wenn Leistung anerkannt und Eigeninitiative gefördert wird.

Abschließend möchten wir uns herzlich beim Bundeswettbewerb Informatik sowie bei den Doktoranden der ETH Zürich bedanken, die uns diese Erfahrung ermöglicht haben.

08.06.26

Nach oben scrollen