Wettbewerb… oder mehr? - Reisebericht Bundesfinale Jugend Präsentiert 2026 in Berlin

von Karina Stefan, Elena Pitigoi, Stefan Paun und Marc-Tudor Ghencea

Letztes Wochenende durften wir – Natalia Dumitru, Sophia Sideri, Karina Stefan, Elena Pitigoi, Stefan Paun und Marc-Tudor Ghencea – eine Reise nach Berlin unternehmen. Das war aber nicht „einfach eine Reise“, denn wir sind dorthin gereist, um unsere Vorträge beim Bundesfinale vom Jugend Präsentiert Wettbewerb zu halten.

Jugend Präsentiert ist – wie der Name es schon sagt – ein Präsentationswettbewerb zu wissenschaftlichen Themen für Schüler:innen bundesweit. Der Wettbewerb läuft in mehreren Runden, die letztendlich zur Qualifikation für die Bundesfinale in Berlin führen. Alles hat im Februar begonnen, als die erste Runde, die sogenannte Videorunde, stattgefunden hat. In dieser Phase mussten wir eine 5-minütige Präsentation zu einem beliebigen Thema aufnehmen, die anschließend bewertet wurde. Von mehr als 9.500 Teilnehmer in der Videorunde dieses Jahr, qualifizierten wir uns für die Länderfinale, bei der wir unsere Präsentationen überarbeiten mussten, um auf 6 Minuten zu kommen. Normalerweise findet diese Runde in Präsenz statt, Teilnehmer aus Auslandsschulen mussten jedoch erneut ihre Präsentation im Video-Format abgeben. Die 150 besten Teilnehmer der Länderfinale, darunter auch wir, qualifizierten sich für die Bundesfinale, die sowohl eine Online-Präsentation, als auch eine Präsentation vor einer Jury in Berlin erfordert.

Das Thema für das diesjährige Bundesfinale lautete „Ordnung und Unordnung“ (versucht das ganz schnell dreimal zu sagen). Es gab Präsentationen zu so vielen unterschiedlichen Themen, von Mikrobiologie, wie die Präsentation von Stefan, bis hin zum Universum, wie die von Karina und Elena.

Obwohl wir eigentlich für einen Wettbewerb nach Berlin geflogen sind, hat sich das nicht unbedingt so angefühlt, denn in den drei Tagen, die wir zur Verfügung hatten, haben wir viel mehr getan und erlebt, als einfach zu präsentieren.

Unsere Reise begann freitags um vier Uhr morgens am Bukarester Flughafen. Obwohl wir alle nur etwa halb wach waren, freuten wir uns schon sehr. Das Allererste, was wir in Berlin getan haben, war zu Frühstücken, denn wir hatten wahnsinnig viel Hunger. Was wir am Morgen gegessen haben, in irgendeinem Lokal neben dem Ostkreuz, war nicht anders zu beschreiben als dekadent (was eigentlich voll verdient war, nach dem so frühen Flug).

Nach dieser Kalorienbombe hatten wir noch ein wenig Zeit, bis wir uns an der Jugendherberge gegen Mittag mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen mussten, also sind wir einfach durch die Gegend herumgelaufen. Besonders beeindruckend war die East Side Gallery, ein Stück der alten Berliner Mauer, das 1990 nach der Wende bemalt wurde, um die politischen und kulturellen Unterschiede und Veränderungen zwischen West- und Ost-Berlin zu betonen. Es gibt schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man denkt, dass vor ca. 35 Jahren die beiden Stadtteile genau dort komplett getrennt waren.

Ein Bild von einer "Croque Madame" am Frühstückstisch, ein Gericht, dass viel Brot und geschmolzener Käse beinhaltet, sowie ein Spiegelei.
Croque Madame (mit unfassbar viel Käse) - Bild von Tete
"Test the Rest" von Birgit Kinder, Gemälde auf der East Side Gallery
Der Berliner Dom
Der Berliner Dom - Bild von Elena

Nach etwas Shoppingtime, gingen wir endlich zur Jugendherberge zum Mittagessen. Sofort war uns eine Sache klar: Die anderen Wettbewerbsteilnehmer sind sehr, sehr freundlich! Nicht mal wenige Minuten nachdem wir uns zum Tisch gesessen haben, kamen Leute zu uns und traten mit uns ins Gespräch. Das war das ganze Wochenende so, zu jeder Zeit unterhielten wir uns mit Leuten über unsere Präsentationen (natürlich), aber auch über unsere Interessen, Heimatorte, Zukunftspläne, und wirklich alles, worüber man reden kann. Dieses Gefühl der Gemeinschaft hat sich von Anfang an ganz stark geprägt.

Nachmittags sind wir mit einer Hop-on-Hop-off-Bustour durch Berlin gefahren und konnten somit ganz viele Sehenswürdigkeiten in ganz kurzen zwei Stunden wenigstens von außen sehen, wenn nicht auch drinnen besichtigen. Da unsere Zeit in Berlin so knapp war, war diese Tour eigentlich ein ganz guter Weg, Vieles in der Stadt zu sehen. Dieser Einblick ins Zentrum hat uns sehr neugierig auf die bevorstehende Berlinfahrt gemacht.

Nach einem langen und anstrengenden Tagesausklang ging unser erster Tag in Berlin zu Ende. Die angestaute Müdigkeit hätte sicherlich ein paar Stunden mehr Schlaf gebraucht, doch der nächste Tag sollte uns noch viele weitere Eindrücke bescheren.

Mit einem Ruck wachten wir um 7 Uhr morgens auf, erfüllt von Ungeduld, Spannung und Anspannung. Später sollte unser Auftritt in Präsenz für das Bundesfinale von Jugend Präsentiert in der Lise-Meitner-Schule stattfinden. Von 150 Teilnehmern wurden nur sechs Finalisten ausgewählt, die am folgenden Tag auf der großen Bühne der Universität der Künste Berlin (UdK) präsentierten.

Nach einem schnellen Frühstück versammelten wir uns noch etwas verschlafen, allmählich in der Nähe der Busse im Hof der Jugendherberge, bereit zur Schulfahrt. Jeder probte während der Fahrt noch seine Präsentation im Kopf, nahm letzte Anpassungen vor oder versuchte einfach, sich vor dem entscheidenden Moment zu sammeln.

Bei unserer Ankunft wurde uns sofort klar, dass die Lise-Meitner-Schule alles andere als eine gewöhnliche Schule ist. Das Oberstufenzentrum hat die Schwerpunkte Chemie, Physik und Biologie, wobei der reguläre Unterricht mit praktischer Arbeit in den Laboren kombiniert wird. Die Räume sind hell und modern, und die starke naturwissenschaftliche Ausrichtung ist fast überall spürbar. Die zahlreichen Labore und speziell gestalteten Experimentierräume zogen sofort unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die Architektur des Schulgebäudes ist auch sehr praktisch: Die offenen Räume, die verschiedenen Ebenen und die ungewöhnlichen Perspektiven lassen das Gebäude eher wie ein kleines Forschungszentrum als wie eine klassische Schule wirken.

Nach einer kurzen Einführung, in der uns das Tagesprogramm und die später stattfindenden Workshops vorgestellt wurden, eilten wir zum Schild am Eingang, um herauszufinden, in welchen Räumen wir präsentieren würden. Plötzlich schien alles viel realer zu werden.

In jedem Raum erwartete uns eine dreiköpfige Jury, deren Mitglieder jeweils einen bestimmten Aspekt unserer Präsentation bewerteten. Ihre Anmerkungen ergaben am Ende nicht nur eine Punktzahl, sondern auch sehr detailreiches Feedback, das uns hilft zu verstehen, was wir gut gemacht haben und woran wir noch arbeiten sollten. Jeder präsentierte zu einem anderen Zeitpunkt. Marc machte den Anfang, und Sophia und Natalia beendeten die Spannung. Nun war es Zeit für den Rest des Programms.

Es gab viele verschiedene Angebote, zum Beispiel einen Hula-Hoop-Workshop, die Möglichkeit, T-Shirts selbst zu gestalten, Workshops, bei denen man Taschen aus verschiedenen Materialien herstellen konnte, sowie verschiedene sportliche Aktivitäten. Dadurch konnten wir nach dem aufregenden Wettbewerbstag etwas entspannen, neue Dinge ausprobieren und die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer besser kennenlernen.

Gemeinsam mit Karina und Tete nahmen wir an dem Hula-Hoop-Workshop teil. Dort lernten wir verschiedene Tricks und probierten diese dann auch selbst aus. Auch Fritz war dabei. Wir hatten ihn bereits am ersten Tag kennengelernt, als er sich zu uns an den Tisch setzte. Seitdem verbrachten wir jeden Tag Zeit miteinander, unternahmen etwas gemeinsam oder unterhielten uns einfach. Nach dem Hula-Hoop-Workshop gingen wir zusammen auf einen Fußballplatz und spielten dort mit einem jüngeren Jungen Fußball. Nach und nach kamen noch weitere Jugendliche dazu: Tim, Ben, Felix und Konstantin. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, kamen wir schnell miteinander ins Gespräch und verbrachten gemeinsam eine schöne Zeit.

Besonders schön war, dass alle Menschen dort sehr freundlich, offen und hilfsbereit waren. Auch die Schülerinnen und Schüler der Schule waren sehr nett und offen gegenüber den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Es war sehr einfach, mit anderen ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Die offene Atmosphäre sorgte dafür, dass sich alle schnell wohlfühlten und niemand ausgeschlossen wurde.

Für uns war dieser Tag deshalb eine besondere Erfahrung. Neben den verschiedenen Aktivitäten konnten wir neue Menschen kennenlernen, gemeinsam lachen und eine schöne Zeit miteinander verbringen. Dadurch wurde deutlich, dass Jugend präsentiert nicht nur aus Präsentationen und Wettbewerb besteht, sondern auch eine gute Möglichkeit bietet, neue Freundschaften zu schließen und schöne Erinnerungen außerhalb des Wettbewerbs zu sammeln.

Am Sonntag, dem letzten Wettbewerbstag, fand die Finalshow von Jugend Präsentiert statt, bei der wir uns die Präsentationen der Top 6 anschauen durften. Wir durften als Publikum sogar unsere Lieblingspräsentation wählen. Gewonnen hat eine Präsentation zum Thema „Wie erschafft das Gehirn eine Erinnerung?“, und als Favorit des Publikums wurde die Präsentation „Wie aus einer gesunden Zelle Krebs entsteht“ ausgezeichnet.

Da unser Rückflug nach Bukarest erst Montag früh war, hatten wir noch den Nachmittag zur Verfügung, um spazieren zu gehen. Da wir in Berlin waren, mussten wir natürlich auch Döner essen (wobei wir einen Kulturschock erlebten, als wir gesehen haben, dass deutsche Döner im Vergleich zu unserer Shaorma keine Pommes beinhalten).

Eines der Erlebnisse, die wir nie vergessen werden – und wofür wir Herrn Goldbeck dankbar sind – ist unser Besuch bei „Dark Matter“. Während der etwa 45-minütigen Ausstellung moderner Kunst ließen wir uns in eine Welt der Fantasie entführen, gefesselt von den abgedunkelten Räumen, von der Natur inspirierten Gestaltung und vor allem von der Lichtshow. Die Atmosphäre wandelte sich von der Ruhe eines Sommertages hin zur stürmischen Stimmung eines Herbstgewitters. Für einen Moment vergaßen wir alle den Alltag, Stress und Sorgen – ja, wir vergaßen sogar, wo wir uns eigentlich befanden. Wir genossen die friedvollen, gemeinsamen Augenblicke und kosteten die schlichte Freude aus, genau in diesem Moment dort zu sein. Es war ein einzigartiges Erlebnis, das den perfekten Abschluss für unseren letzten Abend in Berlin bildete. Abends versuchten wir noch eine Runde Whist zu spielen, wir scheiterten aber halbwegs durch das Spiel, da uns die Müdigkeit nach dem vollgepackten Wochenende endlich erwischt hat.

Döner aus Berlin (ohne Pommes!) - Bild von Elena

Alles in Allem war das Bundesfinale für uns alle eine hervorragende Erfahrung, die wir den nächsten Generationen von Teilnehmer:innen aus der DSA nur empfehlen können. Unser Wochenende in Berlin war voller sozialer und kultureller Austausche, die dazu geführt haben, dass sich Jugend Präsentiert nicht unbedingt wie ein Wettbewerb gefühlt hat, sondern wie eine große Gemeinschaft an gleichgesinnten und wissbegierigen Schüler:innen.

04.10.2026

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