Zwischen Heimweh und Selbstfindung: Mein Semester in Deutschland
von Anna Meghea
Wieso finde ich den Weg zur Schule nicht? Warum spricht niemand meine Muttersprache? Ist das Gefühl der Einsamkeit nur eine Illusion, die nur in meinem Kopf ist, oder eine Tatsache, die niemals verschwindet?
Mit diesen Gedanken setzte ich mich in den ersten Monat meines Auslandssemesters in Essen, Nordrhein-Westfalen auseinander. Im Februar dieses Jahres habe ich meine Heimat verlassen. Plötzlich war ich von Personen einer anderen Nationalität, Kultur und, ins besonders, einer anderen Mentalität umgegeben.
Das Schulleben war relativ einfach. Ich ging auf das Grashof Gymnasium, dessen grundlegendes Prinzip die Toleranz war. Alle Schülerinnen und Schüler waren herzlich willkommen und wurden gleich behandelt, unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht, Religion oder schulischen Leistungen. Bereits in den ersten Tagen habe ich mich mit tollen Personen befreundet (deutsche, syrische, spanische usw.), die mir im Laufe meines Aufenthalts mein Leben erleichtert haben.
Besonders gut erinnere ich mich an den ersten Schultag. Mein Gastvater und ich sind gemeinsam Fahrrad gefahren (die Fahrt bis zur Schule bereitete mir viel Spaß, da wir einen Hügel hinunterfahren mussten). Als ich schließlich ankam, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich fragte hin und her, wo ich verschiedene Lehrkräfte finden konnte, die mir bei den organisatorischen Sachen helfen sollten. In der ersten Pause war ich völlig verloren. Ich saß in der Mensa, obwohl ich gar keinen Hunger hatte, denn eine bessere Idee hatte ich nicht. Glücklicherweise sind zu mir zwei nette Mädchen gekommen, die mich an meinem ersten Tag begleiteten und halfen, mich zurechtzufinden.
Obwohl ich keine Noten bekam, konnte ich am Unterricht teilnehmen und mich engagieren, um mich besser einzuleben. Diese Freiheit half mir, mich auf unbekannte Fächer, die ich interessant fand (zum Beispiel Politik und Philosophie), zu konzentrieren, ohne den Leistungsdruck zu verspüren. Die meisten Lehrkräfte gaben mir Feedback und versuchten mir das Gefühl zu geben, dazuzugehören. Besonders nett war die Kunstlehrerin, Frau Wacker, sie versuchte wirklich, mir künstlerische Ideen beizubringen.
Außerhalb der Schule, deren System mich viel an dem System der deutschen Spezialabteilung erinnerte, gab mir dieser Anlass die Gelegenheit, Deutschland und seine Kultur zu erkunden. Sowohl innerhalb der Stadt, wie der Besuch des UNESCO Zollvereins, als auch außerhalb Essens, wie das Feiern des Karnevals in Düsseldorf oder der Ausflug nach Münster mit der Familie, fand ich die Möglichkeit, mehr über das deutsche Leben zu erfahren, neue Menschen zu treffen und mich schließlich ein bisschen wie zu Hause zu fühlen.
Insgesamt muss ich zugeben: Die Behauptung trifft zu – Du bist allein. Ziemlich gruselige Erkenntnis, manchmal sogar unerträglich. In dem ersten Monat war ich davon überzeugt, dass niemand mich akzeptieren würde; nicht nur, weil ich eine Ausländerin war, sondern auch, weil ich nur eine Gastschülerin war, die nach ein paar Monaten wieder verschwinden würde.
Die wichtigere Wahrheit ist aber, dass diese Gedanken einfach nur Gedanken sind. Die hoffentlich dauerhaften Freundschaften, die entstanden sind, die wunderschönen Orte, die ich besucht habe, die vielfältigen Kulturen, die ich kennengelernt habe, sind alle Beweisen, dass mein Semester in Deutschland nicht nur eine Chance, meine Deutschkenntnisse zu entwickeln war, sondern auch eine Reise der Selbstfindung. Die räumliche Distanz zu meiner Heimat, meiner Sprache und meinem Volk war ein wirkliches Glück.
Sie gab mir die Möglichkeit, über die Person nachzudenken, die ich in Rumänien war, und die mit der Person zu vergleichen, die ich während des Semesters in Deutschland geworden bin.

