DSA – und dann? Gespräche mit unseren Alumni, Teil III Alexandra Enciu

Autorin: Irina Avram-Popa

Im letzten Interview erzählte die ehemalige Schülerin Ana Duguleanu von ihrem Informatikstudium in München. Heute stellen wir eine weitere Absolventin der DSA vor: Alexandra Enciu (Abiturjahrgang 2020/21). Sie hat im Bachelor Anthropologie und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert und absolviert derzeit ihren Master. Wir haben mit ihr gesprochen!

Wie kam es zu deiner Entscheidung, Anthropologie und Kommunikationswissenschaft zu studieren?
Schon in der zweiten Klasse habe ich gemerkt, dass Mathe nicht mein Fach ist – ich wollte eher Schriftstellerin werden. Später, in der 9. oder 10. Klasse, habe ich verstanden, dass man vom Schreiben allein kaum leben kann. Deshalb habe ich mich für Journalismus interessiert. Ein ehemaliger Deutschlehrer meinte, dass man nicht unbedingt Journalismus studieren müsse, um Journalistin zu werden. Also habe ich mich für eine Kombination entschieden, die mich interessiert und mir trotzdem im Journalismus helfen kann: Anthropologie und Kommunikationswissenschaft.

Warum gerade Deutschland – und warum Berlin?
Deutschland war schon lange eine Option für mich, weil ein Teil meiner Familie im Süden lebt. Dort habe ich oft die Sommer verbracht, und schon als Kind, mit 9 oder 10 Jahren, wusste ich: Hier möchte ich später leben. Eigentlich wollte ich nicht nach Berlin, sondern lieber in eine typische Studentenstadt wie Heidelberg oder Tübingen. Am Ende bin ich aber doch in Berlin gelandet, weil man hier beide Fächer zusammen studieren kann.

Wie war dein Start in Berlin?
Am Anfang war es schwer, vor allem wegen Corona. 2021 lief vieles online, und es war nicht leicht, neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden. Einen richtigen Kulturschock hatte ich jedoch nicht – Menschen sind schließlich überall Menschen.

Wie hast du dich sozial integriert?
Berlin ist sehr international, und auch an der Freien Universität gibt es viele Studierende aus aller Welt. Meine besten Freundinnen sind internationale Studierende – das hat mir sehr geholfen. Trotzdem hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich mich wirklich zu Hause gefühlt habe.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Schule und Universität?
An der Uni ist man viel freier. Man entscheidet selbst, welche Kurse man belegt und in welchem Semester. Man muss sich also gut organisieren und motivieren. Viele Studierende arbeiten nebenbei, was zusätzliche Verantwortung bedeutet. In der Schule ist alles stärker vorgegeben, an der Uni muss man vieles allein schaffen.
Ich finde aber, dass uns die DSA gut darauf vorbereitet hat. Durch die Fülle an Stoff und die Art, wie wir gelernt haben, war es leichter, sich ans Studium zu gewöhnen.

Wie sieht dein Uni-Alltag aus?
Ich hatte nicht viele Pflichtveranstaltungen – etwa zwei Vorlesungen pro Woche und dazu Seminare: rund acht Stunden pro Woche im Hauptfach und vier Stunden im Nebenfach. Vormittags war ich oft an der Uni, mittags in der Mensa, danach in der Bibliothek. Mit der Zeit habe ich mehr Freunde gefunden und dadurch auch mehr Freizeit: Sport, Ausgehen oder einfach mal ein Bier mit Freunden.

Gab es eine prägende Erfahrung im Studium?
Ja, mein Pflichtpraktikum. Am Anfang habe ich viele Absagen bekommen. Als die erste Zusage kam, habe ich sofort angenommen – kurz danach kamen gleich mehrere Angebote. Am Ende habe ich vier Praktika gemacht, unter anderem beim Radio. Dort musste ich früh um sechs im Studio sein, danach in meinen Nebenjob und schließlich noch zur Uni. Das war anstrengend, aber auch eine wichtige Erfahrung fürs Leben.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Eigentlich wollte ich Journalistin werden, aber inzwischen interessiere ich mich mehr für Audiokommunikation und die technische Seite – vielleicht sogar für Softwareentwicklung im Audiobereich. Über den Arbeitsmarkt weiß ich noch nicht viel, aber ich weiß, dass man im Journalismus ohne Kontakte schwer Fuß fasst.

Was würdest du Schüler*innen raten, die in Deutschland Geisteswissenschaften studieren möchten?
Ich würde sagen: Probiert es einfach aus! Wenn ihr merkt, dass euch ein Fach interessiert, studiert es. Auch wenn ihr später merkt, dass ihr in einem anderen Bereich arbeiten wollt, ist das keine verlorene Zeit. Man lernt viel über sich selbst, über andere Menschen und über das Leben in einem neuen Land. Es ist besser, schon mit 22 Jahren zu merken: „Das ist nichts für mich“, als mit 40 zu bereuen, es nie ausprobiert zu haben.

Außerdem gibt es Organisationen, die Studierende im Ausland unterstützen – zum Beispiel die LSRS (Liga Studenților Români din Străinătate). Diese Gruppe gibt Tipps, Informationen und hilft, Kontakte zu knüpfen. LSRS gibt es weltweit, auch speziell für Deutschland. Besonders am Anfang, wenn man niemanden kennt, ist das eine große Hilfe, weil man so schnell Leute trifft, die in einer ähnlichen Situation sind.

26.9.25

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